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Neurologische Regulierung humaner Lebensprozesse – vom Neuron zum Verhalten. Interdisziplinärer Lernstoff zum Thema Aufbau, Funktion und Klinik des Nervensystems für Studierende der Medizin, Gesundheits- und Biowissenschaften in Ungarn

Hajnalka Ábrahám, Péter Ács, Mónika Albu, István Balás, András Benkő, Béla Birkás, László Bors, Bálint Botz, Árpád Csathó, Péter Cséplő, Valér Csernus, Krisztina Dorn, Erzsébet Ezer, József Farkas, Sándor Fekete, Ádám Feldmann, Zsuzsanna Füzesi, Balázs Gaszner, Csilla Gyimesi, IStván Hartung, Gábor Hegedűs, Zsuzsanna Helyes, Róbert Herold, Tibor Hortobágyi, Judit Horváth, Zsolt Horváth, Mária Hoyer, István Hudák, Enikő Illés, Gábor Jandó, István Bajnóczky, Andrea Jegesy, János Kállai, Kázmér Karádi, Zsuzsanna Kerekes, Ákos Koller, Sámuel Komoly, Bernadett Kovács, Norbert Kovács, Zsolt Kozma, Ferenc Kövér, Antal Kricskovics, Gábor Lenzsér, Tivadar Lucza, Emese Mezőségi, Andrea Mike, Péter Montskó (2016)

Universität Pécs; Dialóg Campus Herausgeber-Nordex Kft.

5.e. Bewusstseinsverändernde Drogen (Alkohol, Drogen, pflanzliche, tierische und chemische Toxinen – Wirkmechanismen). – Erika Pintér [Übersetzer: Gábor Pozsgai, Deutsches Lektorat: Loránd Barthó]

5.e. Bewusstseinsverändernde Drogen (Alkohol, Drogen, pflanzliche, tierische und chemische Toxinen – Wirkmechanismen). – Erika Pintér [Übersetzer: Gábor Pozsgai, Deutsches Lektorat: Loránd Barthó]

Bewusstseinverändernde oder psychoaktive (psychotrope) Mittel sind solche natürliche oder künstliche Substanzen, die die Wirkung und Funktion des Zentralnervensystems verändern: sie führen zu Reizung/Depression des Zentralnervensystems, sie verursachen Wahnbilder, sie lösen Motor-, Urteilskraft-, Verhalten-, Fassungskraft-, Bewusstseinsstörungen aus.

Chronische Anwendung der psychoaktiven Mittel führt oft zu psychischer und physischer Abhängigkeit. Als Folge der Bildung physischer Abhängigkeit löst das Aufhören andauernder Anwendung Entzugssymptome aus. Bewusstheitsverändernde, psychoaktive Mittel werden umgangssprachlich oft Rauschmittel oder Drogen genannt. (Nach der pharmazeutischen Fachsprache bedeuten Drogen Pflanzenteilen mit therapeutischen Wirkungen, z.B. Ipecacuanhae radix, Belladonnae folium, die oft zur Herstellung von Kräutertees angewendet werden. Ein eigenes Kapitel des gültigen ungarischen Arzneibuchs, Pharmacopoea Hungarica VIII. enthält offiziell verwendbare pflanzliche Drogen). Unter Rauschmittel versteht man Substanzen derer Benutzung gesetzlich verboten ist. In der medizinischen Fachsprache bedeuten Rauschmittel hauptsächlich berauschende (bewusstheitsverändernde) Opioidanalgetika (Opioide). Diese haben sehr prominente therapeutische Wirkungen, ihre Anwendung setzt aber dem Risiko der Ausbildung von Abhängigkeit aus.

Abusus oder Toxikomanie bedeuten Missbrauch von Arzneimittel und anderen Substanzen. Das kann sich auf a/ therapeutisch angewendete Arzneimittel (z.B. Opioidanalgetika, Beruhigungsmittel, Schlafmittel); b/ sog. Genussmittel ohne therapeutischer Indikation und auf derer Wirkstoffe (z.B. Rauchen–Nikotin, Kaffee–Koffein, Spirituosen–Ethanol); c/ verbotene bewusstheitsverändernde Mittel (z.B. Halluzinogene, Heroin) und d/ andere bewusstheitsverändernde Mittel (industrielle Lösungsmittel, Kleber, Farben) beziehen. Unter Missbrauch versteht man nicht ärztliche, regelmäßige, zwanghafte, unsoziale Selbstverabreichung großer Mengen des Mittels um die Bewusstsein, den psychischen Zustand, die physische und geistige Aktivität zu beeinflussen. Die englische Fachliteratur unterscheidet zwischen Missbrauch („abuse”) und falscher Anwendung („misuse”). Falscher Anwendung von Arzneimittel bedeutet Verabreichung von Substanzen mit falscher Indikation (z.B. Behandlung von Virusinfektionen mit Antibiotika), ungeeigneten Dosen, für zu kurzen oder zu langen Zeitraum. Wenn man z.B. 50 mg Diazepam statt 5–20 mg ordinärer Tagesdosis als Anxiolytikum verabreicht gilt das als falsche Anwendung. Wenn man aber dieselbe Dosis für die Steigerung der Wirkung von Methadon oder mit Alkohol verabreicht um Unbewusstsein auszulösen gilt das als Missbrauch. Für die Behörde gelten alle Anwendungen illegaler vermarkteter Mittel als Missbrauch. Das Hauptzeichen des Missbrauchs für Ärzte ist, dass Mittel auf die Person nachteilige Folgen hat.

In Ungarn sind Alkoholismus und Rauchen die wichtigsten soziale Probleme. Daneben verursachen Benutzung, Handel der Rauschmittel immer größere Probleme in den zwei letzten Jahrzehnten wegen Liberalisierung der Gesellschaft und einfacherer Überschreitung von Grenzen. Juristisch gelten alle Substanzen als Rauschmittel die von den Behörden des gegebenen Staats so beurteilt werden. Wegen ihrer Gefährlichkeit auf das Individuum und auf die Gesellschaft haben Rauschmittel mit ärztlichen Indikationen getrennte Zeichen im Arzneibuch (++ zwei leere Malteserkreuze) und ihre Verordnung, Erhältlichkeit, Ladung, Anwendung werden von speziellen Vorschriften geregelt. Missbrauchsmittel werden nach der folgenden Klassifizierung behandelt:

I. Opioidanalgetika

Ihre medizinische Hauptindikation ist Schmerzlinderung. Ausgenommen Heroin werden sie als Arzneimittel angewendet. Die folgenden Mittel werden am häufigsten missbraucht: Morphin, Heroin, Methadon, Pethidin, Fentanyl.

II. Mittel die das Zentralnervensystem deprimieren

  1. Anxiolytika, Schlafmittel, Beruhigungsmittel (Benzodiazepine, Barbiturate usw.)

    Ihre medizinische Anwendung ist sehr verbreitet, sie sind eine der häufigst verordneten Arzneimittelgruppen.

  2. Alkohol

  3. Gammahydroxybuttersäure (GHB) „Gina”

III. Inhalationsmittel (Zentralnervensystemdepression durch Einatmen)

Einatmen des Dampfs von industriellen Lösungsmitteln, Klebern, Farben wird „Schnüffeln“ genannt.

Unter den Generalanästhetika ist das Einatmen von Ätherdampf oder N2O Gas verbreitet.

IV. Psychomotorstimulanzien

Amphetamin und Derivate, Kokain, Koffein, Nikotin

Mentale Funktionen werden beeinflusst, Aufgeregtheit, Euphorie werden ausgelöst, geistige und physische Leistung, motorische Aktivität wird gesteigert.

V. Psychedelische Mittel, Halluzinogene

LSD, Mescalin, Psilocybin, Phencyclidin, Ketamin

Psychomotorische Aktivität wird weniger beeinflusst als Perzeption, Denken, Stimmung.

Große Dosen von zentral wirkenden Muscarin-Receptor-Antagonisten (Atropin, Scopolamin) können auch Delirium, Wahnbilder auslösen.

VI. Kannabis

Marihuana, Haschisch, Haschischöl

Ihre Anwendung verursacht eine Kombination von psychedelischen und deprimierenden Wirkungen.

Tabelle 5.5. Tabelle 1.: Moleklulärer Wirkungsmechanismus der wichtigsten bewusstheitsverändernden Mittel

SubstanzZielmolekülPharmakologische BezeichnungWirkung auf dopaminerge NeuroneMissbrauchspotenzial
Klasse I. Mittel die G-Protein gekoppelte Rezeptoren (GPCR) aktivieren
Opioide μ -OP3 (Gi) Agonist Disinhibition ****
Kannabinoide CB1 (Gi) Agonist Disinhibition *
γ-Hydroxybuttersäure (GHB) GABA-B (Gi) schwacher Agonist Disinhibition ?
LSD, Mescalin, Psilocybin 5-HT2A(Gi) Partialagonist - *
Klasse II. Mittel die an ionotropen Rezeptoren und zu Ionenkanälen binden
Nikotin N (α2β2) Agonist Reizung ****
Alkohol GABA-A, 5-HT3, N, NMDA, Ca  csatorna Modulator Reizung, Disinhibition (?) ***
Benzodiazepine GABA-A positiver allosterischer Modulator Disinhibition ***
Phencyclidin, Ketamin NMDA Antagonist - *
Muscimol (Amanita muscaria) GABA-A Agonist ? *
Klasse III. Mittel die an Transportern von biogenen Aminen binden
Kokain DAT, SERT, NET Hemmer hemmt die Wiederauf-nahme von DA, NA, 5-HT *****
Amphetamin DAT, NET, SERT, VMAT wendet den Transport um hemmt die Wiederauf-nahme von DA, NA, 5-HT *****
MDMA (Ecstasy) (Methylendioxymetamphetamin) SERT > DAT, NET wendet den Transport um hemmt die Wiederauf-nahme von DA, NA,  synaptische Depletion ?


1. Grundlagen

Während Abusus, Suchterkrankung bildet sich Abhängigkeit von dem angewendeten Mittel aus. Im Allgemeinen bedeutet Abhängigkeit, dass das Individuum ohne dem benutzten Mittel nicht leben kann, z.B. Patienten mit Typ-1-Diabetes ohne Insulin. In diesem Fall spricht man selbstverständlich über keinen Missbrauch. Das Wort Abhängigkeit wird am häufigsten in Zusammenhang mit Rauschmittel, bzw. Toxikomanie benutzt. In diesem Kapitel nach der klinischen Praxis gerichtet werden Mittel die Abhängigkeit auslösen können als Drogen erwähnt.

Die folgenden Kriterien der Abhängigkeit wurden von American Psychiatric Association gegeben. (Abhängigkeit besteht wenn 3 oder mehr Aussagen recht sind.)

  • Die Substanz wird häufiger oder in größeren Mengen als ärztlich beabsichtigt konsummiert.

  • Erfolglose Versuche den Substanzkonsum zu verringern.

  • Viel Zeit wird darauf verwendet, die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von ihren Wirkungen zu erholen.

  • Häufige Erscheinungen von Vergiftung oder Entzug.

  • Soziale, familiäre, freundliche Beziehungen werden aufgrund des Substanzkonsums aufgegeben.

  • Der Substanzkonsum wird fortgesetzt trotz schwerer physischer und psychischer Probleme.

  • Entscheidende Toleranzentwicklung.

  • Der häufige Substanzkonsum gereicht zu Vermeidung der Entzugserscheinungen.

Psychische und physische Abhängigkeit werden unterschieden. Eine gemeinsame Eigenschaft der Mittel die psychische Abhängigkeit auslösen können ist, dass ihre Anwendung angenehmes, positives Ergebnis, Euphorie anbietet oder negative Stimmung, Angst, Depression vermindern kann. Die zwei verschiedenen Belohnungen können von Patienten mit verschiedenen Persönlichkeitstypen angestrebt. Wiederholter Konsum, mittelsuchendes Benehmen, bzw. häufige Rückschläge werden von dieser Eigenschaft, angenehme Erlebnisse, Belohnung (reward) verursacht. Psychische Abhängigkeit bedeutet also, dass die Beschaffung, die Verabreichung der Substanz über alles wichtig im Leben sind. Arbeit, Familie, Freunde werden von dem Drogenabhängigen vernachlässigt. Sein Leben wird nur mit Tätigkeiten um die Substanz erfüllt. Für die heißgeliebte Substanz neigt er zu allen Anstrengungen, sogar auch zu Straftaten. Nach neurophysiologische Untersuchungen wird das mesolimbische Dopaminsystem von dem größten Teil der Mittel, die Euphorie, dann psychische Abhängigkeit auslösen können, aktiviert.

Es handelt sich um physische oder physiologische Abhängigkeit wenn plötzliche Beendigung der laufenden Anwendung der Substanz Entzugssyndrom auslöst.

Während der Zweck des wiederholten Konsums von Substanzen, die psychische Abhängigkeit auslösen, das wiederholte Erleben des Vergnügens ist, wird die Substanz in dem Fall von physischer Abhängigkeit um die unangenehme Erscheinungen des Entzugssyndroms zu vermeiden wieder verabreicht.

Zwischen individuelle Mittel kann partielle oder volle Kreuztoleranz oder Krezdependenz auftreten. Der Begriff Kreuztoleranz versteht sich selbst. Kreuzdependenz bedeutet, dass das Entzugssyndrom von einer Substanz (z.B. Heroin) von einer anderen Substanz (z.B. Methadon) aufgehoben wird. Kreuzdependenz kann auch in Bezug auf psychische Dependenz interpretiert werden: z.B. Methadon kann auch die Sucht für Heroin vermindern.

Axone aus der Zellgruppe A10 des ventralen Mittelhirns enden sich in Nucl. accumbens des limbischen Gebiets. Dopaminkonzentration des Nucl. accumbens wird von allen Mittel, die Abhängigkeit auslösen können (Opiode, Nikotin, Amphetamin, Kokain, Ethanol, u.s.w.), gesteigert. Einige davon steigern die Frequenz des Feuerns von A10 Zellen, andere steigern Dopaminfreisetzung direkt oder hemmen die Wiederaufnahme dieses Transmitters. Diese dopaminerge Bahn wird „Belohnungsbahn ” (reward pathway) genannt;ihre chemische oder chirurgische Zerstörung schiebt drogensuchendes Benehmen auf. (http://learn.genetics.utah.edu/content/addiction/drugs/mouse.html)

Nach Tierversuchen wird drogensuchendes Benehmen von Deletion der Dopamin-D2-Rezeptoren aufgehoben, Entzugserscheinungen werden aber nicht vermieden. Nach neueren Untersuchungen sind neben der klassischen dopaminergen Belohnungsbahn auch andere Neurotransmitter z.B. GABA, Serotonin, Glutamat, endogene Opioide an der Ausbildung der psychischen Abhängigkeit beteiligt. Drogensucht kann auch von Serotonin-Rezeptor-Agonisten oder von Hemmung der Wiederaufnahme des Serotonins vermindert werden.

Gelegentlich des Missbrauchs soll man auch über Toleranz sprechen. Toleranz bedeutet, dass nach wiederholter Gabe die pharmakologische Wirkung der Substanz abnimmt; immer größere Dosen sind nötig um die ursprüngliche Wirkung auszulösen. Normalerweise hat eine Substanz zahlreiche pharmakologische Wirkungen mit verschiedenem Maß von Toleranzbildung. Starke Toleranz gegen Euphorie tritt schnell auf, die eine 10-30-fache Steigerung der Dosis nötigen kann. Im Hintergrund der Toleranz und physischer Abhängigkeit stehen oft zusammenhängende biochemische Vorgänge, z.B. eine kompensatorische Erhöhung des cyklischen Adenosinmonophosphat (cAMP).

Nach dem Mechanismus der Ausbildung werden drei Formen der Toleranz unterschieden:

1. Pharmakokinetische Toleranz

Die Wirkung der Substanz nimmt wegen der Beschleunigung ihres Stoffwechsels ab. Die verbindung steigert ihren eigenen Abbau durch Induktion des metabolisierenden Enzymsystems. Zum Beispiel nimmt die Stoffwechselkapazität der Leber in der ersten Phase des chronischen Alkoholismus zu, Oxidierung von Ethanol wird beschleunigt. Natürlich ist die Funktion der zirrhotischen Leber stark begrenzt; unter diesem Umstand können wegen des verminderten Stoffwechsels auch kleine Mengen von Alkohol zu Betrunkenheit führen.

2. Pharmakodynamische Toleranz

Adaptive Änderungen werden von der Substanz im Organismus induziert, z.B. Abnahme der Nummer von Rezeptoren, Verminderung der Effektivität des Rezeptor–Effektor-Systems. Normale, physiologische Funktion des Organismus in Gegenwart von der Substanz wird von adaptiven Mechanismen ermöglicht. Wenn die Anwendung plötzlich beendet wird, zerfällt das neugebildete Gleichgewicht des Systems, Entzugserscheinungen treten auf. Pharmakodynamische Toleranz resultiert also aus zellulären biochemischen Änderungen, in vielen Fällen erscheint genauso in Zellkultur wie im menschlichen Körper.

Es wurde bezeugt, dass auch genetische Komponenten an der Ausbildung des Missbrauchs beteiligt sind. Einige Leute werden einfach eher Nikotin-, Alkohol- oder Drogenbhängig als andere. Gesteigerte Wirkung der Gene der Dopamin-D2-Rezeptoren wurde in chronischen Alkoholiker nachgewiesen. Natürlich spielen neben erblichen Faktoren auch umständliche Faktoren, Möglichkeiten um die Substanz zu beschaffen, Familie und Freunde in der Ausbildung der Abhängigkeit eine wichtige Rolle.

2.

2.1. Opioide

Am berühmtesten Missbrauchsmittel dieser Gruppe sind die zu den natürlichen Alkaloiden des Mohns und zu natürlichen Opiaten gehörende Morphin und sein halbsynthetisches Diacetylderivat, Heroin. Anwendung von Pethidin (Meperidin), Fentanyl und Methadon ist unter synthetischen Derivaten wichtig. Kodein (Methylmorphin), das meistens als Antitussivum verabreicht wird, ist auch ein natürliches Opiumalkaloid, aber Dextrometorphan gehört zu synthetischen Opioiden. Die zwei letzte Substanzen zählen zu keinen Rauschmittel, aber können milde psychische Abhängigkeit auslösen (hohe Dosen von Dextromethorphan können sogar Wahnbilder verursachen) und wegen einfacher Erhältlichkeit kommen sie als Missbrauchsmittel in die Frage (Abbildung 1.).

In den letzten Jahren tauchte eine „neue“ Substanz in Russland auf: das Krokodil. Onhe Zweifel ist diese das schädigste Missbrauchsmittel bisher. Der Wirkstoff ist Desomorphin, ein semisynthetisches Opiumderivat. Es wird hausgemacht aus Kodein-haltigen Schmerzmittel hergestellt, und aus anderen legal erhältlichen Substanzen (Iod, roter Phosphor), die viel günstiger als Heroin sind. „Krokodil“ wird deshalb als „Heroin der Arme“ in Russland benutzt, wo wegen Armut viele Abhängige sich köstlicher mittel von „besserer Qualität“ nicht leisten können. „Krokodil“ wird durch iv. Injektion verabreicht.

Das Krokodil wurde meistens letztlich verbreitet, aber seine Wirkungen sind möglicherweise die erschreckendste unter allen Missbrauchsmitteln: Abszesse, Schuppenbildung der Haut, lepraartige Wunde, Gangräne treten schnell in dem Benutzer auf, die Weichgeweben bis zum Knochen zerstören können, und Amputation des gestorbenen Körperteils nötigen. Die Ursache dafür ist die unkontrollierte Zusammensetzung der Mischung, die das Mittel aufmacht. Das Krokodil wurde wegen seiner brutalen Erscheinungen als das Tier genannt, weil es zu dem Kriechtier ähnliche Schuppenbildung auslöst und „frisst“ den Abhängigen auf, wie ein Krokodil (obwohl der Name ursprünglich von „Chlorkodein“ kommt).

http://erdekessegek.info/a-krokodil-drog-hatasa-185.html

Abbildung 5.31. Abbildung 1.: Strukturformeln einiger Opioide, die hinsichlich Missbrauch bedeutend sind

Abbildung 1.: Strukturformeln einiger Opioide, die hinsichlich Missbrauch bedeutend sind

Pharmakologische Wirkungen, Wirkungsmechanismus, klinische Anwendung der Opioide werden von spezieller Pharmakologie betrachtet, hier werden nur einige Ansichten mit Bezug auf Missbrauch erwähnt.

Die Grundsubstanz der Gruppe ist Morphin, ein Phenanthrenalkaloid, welches aus der Kapsel des Schlafmohns (Papaver somniferum) isoliert werden kann, sein Chlorid- und Sulfatderivat werden als Arzneimittel angewendet (Morphini hydrochloridum, Morphini sulfas). Es wird in der Form von Tabletten, Kapseln, Spritzen, Zäpfchen als Schmerzmittel verabreicht, Abhängige benutzen es intravenös. Opioidanalgetika werden oft von Ärzten befürchtet, aber nach Erfahrungen verursachen diese Substanzen fast nie Dependenzbildung wenn sie für Schmerzen gegeben wurden. Bei starken Schmerzen tritt keine euphorisierende Wirkung trotz Hemmung der Nozizeption und psychischer Komponenten der Schmerzen auf, also da gibt es nichts das psychische Abhängigkeit verursachen konnte. Für dauernde Behandlung werden langwirkende Mittel bevorzugt, die Wirkungsauftritt von denen nicht zu rasch ist (z.B. Methadon p.o., retard Morphin p.o., transdermale Aufkleber mit Fentanyl), weil bei kurzwirkenden Präparaten zwischen den Verabreichungen von zwei Dosen Entzugserscheinungen vorkommen können, rascher Auftritt der Wirkung Euphorie auslösen und zu iatrogener Toleranz führen kann. In gesunden Individuellen bildet sich Abhängigkeit aber sehr leicht auf, sie führt zu totaler geistigen und physischen Zehrung. Rückkehr zu normalem Leben ist sehr schwer. Mitglieder der Opioidgruppe gehören zu den harten Drogen, weil sie sehr starke psychische und physische Abhängigkeit verursachen.

Die gefährlichste Verbindung ist Heroin, das im Gegensatz zu den anderen als kein Arzneimittel verwendet wird. Es ist ein weißes essigriechendes Pulver, es wird aus Morphin durch Azetylierung hergestellt. Einige schnüffeln das Pulver in die Nase, aber meistens wird es intravenös verabreicht. Intravenöse Drogenverabreichung setzt Verbreitung schwerer ansteckender Krankheiten, z.B. Tuberkulose, AIDS oder Hepatitis aus wegen Verletzung der Regeln von Sterilität und Anwendung gemeinsamer Nadeln. Oft treten oberflächliche oder tiefe Abszesse in dem ganzen Körper auf (Gehirn, Leber). Die in den systemischen Blutkreislauf eingespritzte Lösung kann verschiedene unbekannte Verunreinigungen enthalten, derer pharmakologische Wirkungen unberechenbar sind. Wegen der Diazetyl-Substitution passiert Heroin die Blut-Gehirn-Schranke schneller als Morphin, und bildet plötzlich eine hohe Konzentration im Zentralnervensystem aus. Diacetylmorphin wird relativ schnell deazetyliert, in zwei Stufen entstehen 6-Monoacetylmorphin, dann Morphin daraus. Die Wirkungen werden teilweise von diesen Metaboliten verursacht. Nach intravenöser Gabe gelangen Opioide sogar sofort an das Gehirn, und lösen starke Euphorie aus (kick, rush), die sich zu sexuellem Orgasmus ähnelt. Die Euphorie wird von einem stillen, abgestimmten Geisteszustand (high), dann von Schläfrigkeit und tiefem Schlaf für 3-5 Stunden abgewechselt (nod). Drogensucht tritt plötzlich nach dem Aufwachen auf, die den Benutzer fördert um die nächste Dosis zu beschaffen.

Tabelle 5.6. Tabelle 2.: In dem Fall von chronishcer Anwendung bildet sich verschiedenes Maß der Toleranz gegen verschiedene Opioidwirkungen aus:

Stark Intermediär Minimal oder kein
AnalgesieBradykardie Miosis („stecknadelkopfgroße Pupillen”)
Euphorie Anfälle
Dysphorie Verstopfung
Sedierung Wirkungen der Antagonisten
antidiuretische Wirkung  
Übelkeit, Erbrechen  
hustenstillende Wirkung  
Atemdepression  


Infolge der Ausbildung der Toleranz werden immer größere Dosen um Euphorie auszulösen nötig, beziehungsweise toleriert der Benutzer immer größere Dosen ohne Atemdepression. Die tolerierbare Dosis kann sogar 2 g sein, während schon ungefähr 60 mg Morphin Atemstillstand in normalen Individuellen auslösen kann. Wenn das Individuum für eine Weile keine Substanz beschaffen kann, bildet sich die Toleranz in kurzer Zeit zurück. Nach dem enthaltsamen Zeitabstand führt die vorher übliche Dosis zu schwere, sogar tödliche Atemdepression. Dies wird von den Drogenabhängigen einen „goldenen Schuss“ genannt. Als gegen Miosis keine Toleranz auftritt, können Morphinisten an den sehr engen, „stecknadelkopfgroßen“ Pupillen erkannt werden. Auch Kreuztoleranz bildet sich zwischen den Mitglieder der Opioidgruppe aus.

In dem Fall von Drogenabhängigkeit, wenn laufende Zufuhr der Substanz plötzlich aufhört, treten Entzugserscheinungen mit schlechter Stimmung innerhalb 8–10 Stunden auf: Angst, Nervosität, Schmerzempfindlichkeit, Rotznase, Tränenfluss, Gänsehaut, Hyperventilation, Mydriasis, Muskelschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Hypertonie, Tachykardie. Die Beschwerden sind am schwersten nach 36–48 Stunden, und sie dauern für ungefähr 5-8 Tage (erste Phase). Die zweite Phase des Abstinenzsyndroms dauert für ungefähr 25–30 Tage, und wird von Hypotonie, Bradykardie, Hypothermie, Mydriase bezeichnet. Opioidsucht steht in beiden Phasen an.

Molekularer Mechanismus der Toleranz in dem Fall von Opioiden kann durch Adaptierungsmechanismen der Rezeptor-Effektor Wechselwirkung gut erklärt werden. Opiodrezeptoren sind zu G-Proteinen gekoppelte Membranrezeptoren; ihre Aktivierung hemmt Adenylylcyclase, und dadurch den Aufbau intrazelluläres cAMPs. Morphin also vermindert den cAMP Spiegel zuerst, während laufender Verabreichung tritt aber die Erscheinung der biologischen Adaptierung auf; der cAMP Spiegel normalisiert sich durch gesteigerte Wirkung der Adenylylcyclase, trotz Anwesenheit der Droge. Wenn die Zufuhr plötzlich aufhört, wird das System von der Hemmung befreit, große Mengen von cAMP werden aufgebaut, und stellen Entzugserscheinungen vorein (Abbildung 2.). Wirkungen an dem cAMP-System erklären aber die Erscheinung der Toleranz gar nicht völlig. Es wird angenommen, dass in dem Fall von Wirkungen der endogenen Opioiden unter physiologischen Umständen, wird der Ligand-stimulierte Rezeptor nach Endozytose wieder empfindlich und verwendbar. Das unterbleibt wegen der Wirkung Morphins, es wird weniger Rezeptoren zu aktivieren geben. Die Rolle von -Arrestin (arr2) wurde in der Desensitisierung der Opioid-Rezeptoren nachgewiesen, ähnlich zu adrenergen Rezeptoren. Die aktivierende Fähigkeit des G-Proteins nimmt ab wenn der Rezeptor zu -Arrestin bindet. Nach einigen Übernahmen wird der Aufbau endogener Opioide durch negative Rückkopplung von chronischer Anwendung exogener Opioide zurückgedrängt.

Abbildung 5.32. Abbildung 2.: Ein mögliches biochemisches Modell der Ausbildung von Morphintoleranz und physischer Abhängigkeit. (Gyires-Fürst: A farmakológia alapjai. Medicina Budapest 2011.)

Abbildung 2.: Ein mögliches biochemisches Modell der Ausbildung von Morphintoleranz und physischer Abhängigkeit. (Gyires-Fürst: A farmakológia alapjai. Medicina Budapest 2011.)

2.1.1. Diagnose und Behandlung akuter Überdosis

Symptome, die mit der Diagnose helfen: Nadelstichzeichen, Hämatomen, Miosis, bekannte Drogenvorgeschichte. Es ist schwer die Diagnose zu bestimmen, wenn der Patient komatös ist und es keine Vorgeschichte gibt (charakteristische Triade: Bewusstlosigkeit, Cyanose, Stechnadelkopfpupillen). In schwerem Koma kann aber auch Mydriasis vorkommen.

Behandlung: Intravenöse Zufuhr Opioid-Rezeptor-Antagonisten (z.B. Naloxon). Atemdepression wird von 0,2–0,4 mg Naloxon schon dramatisch gebessert. Wenn nötig, die Dosis kann wiederholt werden, weil die Halbwertszeit von Naloxon kurz ist (1–2 Stunden). 25 mg Heroin wird von 1 mg Naloxon „neutralisiert”, die Wirkung tritt innerhalb einer Minute auf, und dauert für 45-60 Minuten. Es soll beachtet werden, dass Opioid-Antagonisten akutes Entzugssyndrom in Opioid-abhängigen Patienten auslösen können.

2.1.2. Behandlung des Opioidmissbrauchs

Die Behandlung wird von ausgebildeten Addiktologen geleitet mit vielseitigen Ansichten. In den Folgenden werden pharmakologische Mittel beschrieben.

2.1.2.1. Ersatzbehandlung mit Methadon oder Buprenorphin

Erleichtert die Abgewöhnung von Morphin, Heroin, aber das direkte Ziel ist kein Abstinenz, sondern Drogenersatz. Methadon ist ein langwirkender oraler OP3 (μ) Rezeptor-Agonist, so vermeidet es die Ausbildung von Entzugserscheinungen. Wenig Euphorie wird von Methadon ausgelöst, aber Rezeptoren werden besetzt; in seinem Gegenwart unterbleibt euphorisierende Wirkung von Morphin, Heroin und unterbleibt die positive Rückkopplung. Methadon-Behandlung kann sogar jahrelang angewendet werden, mit dem Vorteil, dass das drogenabhängige Individuum arbeitsfähig wird, kann sich in die Gesellschaft einordnen. Toleranz bildet sich gegen die anfängliche sedative Wirkung. Methadon soll auch stufenweise aufgehört werden, die Abgewöhnung fördert aber weniger Anstrengung. Darin spielt die lange Wirkungsdauer von Methadon eine wichtige Rolle (t1/2: 15–40 Stunden), gegenüber die 3-5 Stunden Halbwertszeit von Heroin. Abbau von Methadon ergibt aktive Metaboliten, (1-α-Acetylmethadol LAAM), so dauert seine Wirkung für 72-96 Stunden. Auch LAAM kann zugeführt werden als ein langwirkendes Ersatzmittel. Buprenorphin ist ein partieller Agonist der µ-Opioid-Rezeptoren, bzw. ein Antagonist von κ-Opioid-Rezeptoren. Seine Anwendung in der Opioid-Ersatzbehandlung ist seiner langsamen Dissoziierung von den µ-Rezeptoren zu verdanken, dass Suchtmittelbedarf der abhängigen Patienten für eine lange Zeit zu Minimum senken kann. Buprenorphin kann auch mit kleinen Mengen von Naloxon (von dem Darm schlect resorbierter Antagonist) kombiniert werden (gegen Überdosierung von Buprenorphin oder wenn der Pazient zu Hause ein Injektionspräparat von den Buccaltabletten bastelt).

Heutzutage wird die Verabreichung von zentralwirkenden adrenergen α2-Rezeptor-Agonisten, Clonidin, beziehungsweise Lofexidin in der Abgewöhnungszeit probiert, das Entzugserscheinungen vermindert.

2.1.2.2. Orale Naltrexon-Behandlung

Der langwirkende OP3 (µ) Rezeptor-Antagonist Naltrexon kann auch oral zugeführt werden. Naltrexon-Behandlung darf erst nach der Abwicklung des Entzugssyndroms, in reinem drogenfreiem Zustand begonnen werden, sonst löst sie schwere Entzugserscheinungen aus. Wenn der Patient während der Naltrexon-Behandlung Suchtmittel benutzt, wird keine Euphorie von Morphin oder Heroin ausgelöst, weil Opioid-Rezeptoren von Naltrexon besetzt werden. Dieses Verfahren ist weniger populär als laufende Methadon-Behandlung, aber kann in motivierten Patienten vorteilhaft sein. Klinische Untersuchungen mit depot Naltrexon-Präparaten erfolgen. (Bemerkenswert ist, dass Naltrexon auch die Alkoholsucht verringern kann, was viellecht für eine Rolle von Endogenopioiden spricht).

2.1.2.3.Ultrakurzer Opioid-Entzug (UROD)

Drogenentzug geschäht mit intravenöser Naltrexon-Verabreichung, in Benzodiazepin- oder Barbiturat-Narkose. Der Patient bleibt in der Narkose bis die akute Entzugserscheinungen feststehen. Über die Vorteile des Verfahrens gehen die Meinungen auseinander, weil es den Patient mit der Fortsetzung keiner Abstinenz-orientierten Programme hilft. In Ungarn ist es nicht zugelassen.

3. Mittel, die das Zentralnervensystem deprimieren

3.1. Anxiolytika, Sedativa, Hypnotika

Mittel dieser Gruppe werden für die Behandlung von Angst, Schlafstörungen angewendet, also beginnt der Patient mit der Zufuhr für medizinische Indikation. Für Missbrauch werden normalerweise größer als medizinische Dosen angewendet, die Wirkung wird oft durch Mitnahme von Alkohol potenziert. Manchmal werden Benzodiazepine für die Steigerung der Wirkungen von Heroin benutzt. Die Zufuhr ist meistens oral, möglicherweise Spritze (i.v., i.m.). Mittel mit raschem Wirkungsauftritt werden bevorzugt. Die Wirkungsdauer kann kurz sein, aber langwirkende Mittel mit schnellem Wirkungsauftritt (z.B. Diazepam) können auch missbraucht werden.

3.1.1. Benzodiazepine

Sie gehören zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln. Ihre pharmakologischen Hauptwirkungen sind Anxiolyse, Entlastung der Aggression, Sedierung, Förderung des Schlafs, antiepileptische Wirkung. Die erste Anwendung geschäht oft für medizinische Indikation. Wirkung von GABA auf GABAA-Rezeptoren wird durch Bindung zu spezifische Bindungsorten gefördert.

3.1.1.1. Akute Überdosis

Diese Mittel werden häufig für Selbstmordversuch angewendet, obwohl diese Stereotype stammen aus der Zeit der Schlafmittel vor Benzodiazepinen. Allein lösen sie sogar in großen Dosen keine Atem-, beziehungsweise Kreislaufdepression aus, aber mit anderen Mitteln, die das Zentralnervensystem deprimieren, z.B. Alkohol, führen sie zu sehr schwerer, lebensbedrohlicher Atemdepression. Selbstmordversuche mit Benzodiazepinderivaten geschähen meistens wenn angeheitert. Wenn es keine Gefahr lebensbedrohlicher Atemdepression gibt, lässt man den Patient schlafen. In schweren Fällen kann der Benzodiazepin-Antagonist Flumazenil zugeführt werden, aber das fördert große Umsicht, weil es Krampfanfälle auslösen kann. Toleranz bildet sich gegen die sedierende Wirkung von Benzodiazepinen auf, aber nicht gegen die Atemdepression.

3.1.1.2. Abhängigkeit

Bei dauernder Anwendung kann psychische und physische Abhängigkeit auftreten. Die Toleranz kann in kleinem Teil pharmakokinetisch sein, aber ist meistens pharmakodynamisch. Bei kurzwirkenden Benzodiazepinen ist es auch in therapeutischen Dosen nicht selten, dass nach ein paar Stunden sedative Wirkung regelmäßig leichte Entzugssymptome auftreten (z.B. Angst an der Morgendämmerung). Plötzlicher Abbruch kann Entzugssyndrom verursachen, welches von Person zu Person sehr unterschiedlich heftig sein kann. Folgende Erscheinungen können auftreten: Angst, gesteigerte Empfindlichkeit für Licht, Geräusche, Sensibilitätsstörungen, Muskelkrämpfe, Schüttelkrampf, Schwindel, Schlafstörungen. In schweren Fällen nach hohen Dosen Krampfanfälle, Delirium. Bei Missbrauch kurzwirkender Substanzen wird der Patient zuerst für eine langwirkende Substanz umgestellt, dann wird diese langsam stufenweise abgebrochen. Mit eine Dosisabnahme von 510% pro Woche kann man sogar ein halbes Jahr brauchen um totale Drogenfreiheit zu erreichen.

Tabelle 5.7. Tabelle 3.: Abbruchsprotokoll für den Missbrauch von 6 mg/Tag Alprazolam

 MorgensMittagsAbendsTägliches Diazepam Äquivalent
AnlassdosisAlprazolam 2mgAlprazolam 2mgAlprazolam 2mg120mg
Stadium1 (1 Woche)Alprazolam 2mgAlprazolam 2mgAlprazolam 1.5mg120mg
Diazepam 10mg
Stadium2 (1 Woche)Alprazolam 2mgAlprazolam 2mgAlprazolam 1mg120mg
Diazepam 20mg
Stadium3 (1 Woche)Alprazolam 1.5mgAlprazolam 2mgAlprazolam 1mg120mg
Diazepam 10mgDiazepam 20mg
Stadium4 (1 Woche)Alprazolam 1mgAlprazolam 2mgAlprazolam 1mg120mg
Diazepam 20mgDiazepam 20mg
Stadium5 (1-2 Wochen)Alprazolam 1mgAlprazolam 1mgAlprazolam 1mg110mg
Diazepam 20mgDiazepam 10mgDiazepam 20mg
Stadium6 (1-2 Wochen)Alprazolam 1mgAlprazolam 1mgAlprazolam 0.5mg100mg
Diazepam 20mgDiazepam 10mgDiazepam 20mg
Stadium7 (1-2 Wochen)Alprazolam 1mgAlprazolam 1mgStop Alprazolam90mg
Diazepam 20mgDiazepam 10mgDiazepam 20mg
Stadium8 (1-2 Wochen)Alprazolam 0.5mgAlprazolam 1mgDiazepam 20mg80mg
Diazepam 20mgDiazepam 10mg
Stadium9 (1-2 Wochen)Alprazolam 0.5mgAlprazolam 0.5mgDiazepam 20mg80mg
Diazepam 20mgDiazepam 10mg
Stadium10 (1-2 Wochen)Alprazolam 0.5mgDiazepam 10mgDiazepam 20mg60mg
Diazepam 20mg
Stadium11 (1-2 Wochen)Diazepam 20mgDiazepam 10mgDiazepam 20mg50mg
Stadium12 (1-2 Wochen)Diazepam 25mg Diazepam 25mg50mg
Stadium13 (1-Wochen)Diazepam 20mg--Diazepam 25mg45mg
Stadium14 (1-2 Wochen)Diazepam 20mg--Diazepam 20mg40mg


3.1.2. Barbiturate

Therapeutische Wichtigkeit der Barbitursäurederivate hat in der letzten Zeit erheblich abgenommen, sie wurden von Benzodiazepine von Schlafmittel fast verdrängt. Barbiturate sind als Missbrauchsmittel auch heutzutage bedeutend, meist die Substanzen mit kurzer (Hexobarbital) oder intermediärer Wirkungsdauer (Secobarbital, Amobarbital, Pentobarbital). Diese zeigen einen ziemlich raschen Wirkungsauftritt. Langwirkende Substanzen (z.B. Phenobarbital) sind als Missbrauchsmittel nicht so beliebt, weil ihre Wirkung langsam auftritt.

3.1.2.1. Akute Überdosierung

Barbiturate in hohen Dosen können selbst schwere Kreislauf- und Atemdepression verursachen; die akute Überdosis zeigt auch diese Erscheinungen. Selbstmordfälle und tödliche Unfälle mit Barbituraten waren häufig in den 50-er, 60-er Jahren. Ausbildung starker Toleranz gegen euphorisierende und sedative Wirkungen, aber nur geringer Toleranz gegen Atemdepression trägt sehr zu der Gefährlichkeit der Barbiturate bei. In schweren Fällen tritt auch Lungenödem auf. Die Behandlung akuter Vergiftung zielt gesteigerte Eliminierung des Mittels, Aufrechterhaltung kardiovaskulärer, respiratorischer und renaler Funktionen. Magenspülung wird durchgeführt wenn der Patient bewusst ist. Forcierte Diurese und Alkalisierung des Harns können schnellere Ausscheidung der Barbiturate fördern. Man müsste aber daran denken, dass viele Barbiturate nicht unverändert ausgeschieden werden. Es gibt keinen Antagonisten (kein Antidotum).

3.1.2.2. Abhängigkeit

Bezüglich der Abhängigkeit ähneln sich Barbiturate sehr zu Benzodiazepine, aber im Durchschnitt mehr gefährlich (siehe unten). Pharmakokinetische Toleranz, die sich nach dauernder Anwendung hoher Dosen ausbildet, ist eine abweichende Eigenschaft, mit Enzyminduktion in dem Hintergrund (oft überschätzt). Entzugserscheinungen der Barbiturate sind viel schwerer als die der Benzodiazepine, manchmal sind sie auch lebensbedrohlich. Die Symptome ähneln sich teilweise zu den Erscheinungen des Alkoholentzugs. Nach einem Tag treten REM-Schlaf „rebound”, steigernde Rastlosigkeit, Zittern, Angst, Schwäche, Bauchkrämpfe, Übelkeit, orthostatische Hypotonie, Hyperreflexie auf. Auf den 2–3. Tagen nimmt die Krampfempfindlichkeit zu, auch Status epilepticus kann vorkommen. Dann allmähliche Besserung erfolgt. Ein Teil der Patienten entwickeln aber Delirium mit Wahnbildern, örtlicher und zeitlicher Verwirrung, Hyperthermie. Die Entzugserscheinungen wickeln innerhalb einer Woche ab. Grundsätze der Behandlung des Barbituratmissbrauchs gleichen sich mit der des Benzodiazepinmissbrauchs.

3.2.Alkohol

Unter Alkohol wird in diesem Fall Ethylalkohol verstanden, der durch Gehrung verschiedener Pflanzen, Obst hergestellt wird. Bier enthält 4–5%, Wein 10–12%, Schnaps 40–55% Alkohol. 0,4 gramm pro liter (g/l) Alkohol im Plasma verursacht milde Betrunkenheit, 1,5 g/l löst schwere Vergiftung aus, etwa 5,0 g/l führt zu Tod durch Atemstillstand. In Ungarn ist Alkoholismus sehr häufig und bedeutet ein großes Problem. Gesellschaftliches Modell der Alkoholverbraucher wird von der WHO als folgende definiert: Abstinente konsumieren kein Alkohol; soziale Trinker verzehren Alkohol meistens in Gesellschaft, Benommenheit ist kein Ziel, kann aber manchmal vorkommen; schwere Trinker verzehren regelmäßig und viel Alkohol, sie sind oft betrunken; dazu gehören "problematische Trinker", die unregelmäßig aber unkontrolliert trinken um ihre Sorgen abzusetzen (sie werden oft alkoholkrank); Alkoholkranke, derer Tätigkeit, Gedanken um dem Beschaffen des Alkohols umgehen, während ihrer Behandlung Entzugserscheinungen auftreten können, das unbedingt ärztliche Versorgung fördert.

Störungen, die chronischen Alkoholismus gleiten, sind teilweise Folgen der Toxizität des Ethanols und sind teilweise Folgen der Mangelernährung. Ethanol ist eine Kalorie-Quelle, es vertretet „wertvolle” Kalorien, deshalb und wegen Gastritis nimmt Appetit ab. Resorption von Vitamin-B ist auch ungenügend, peripherische Neuropathie, Pellagra, Anämie, Enzephalopathie (Wernicke), Psychose bilden sich aus. Verderbnis des Kurzzeitgedächtnisses ist auffällig. In schweren Fällen kommen Bauchspeicheldrüsenentzündung, Fettleber, Zirrhose, Herz- und Skelettmuskeldegeneration vor.

Obwohl Ethylalkohol ein legales Genussmittel ist, es verursacht starke psychische und sehr starke physische Abhängigkeit. Verzehrung von 100–200 g täglich führt zu Abhängigkeit innerhalb ein paar Monaten. Plötzlicher Abbruch induziert Abstinenzsyndrom.

Akute Alkoholwirkungen

3.2.1. Zellulärer Mechanismus der Zentralnervensystemwirkungen von Alkohol

Akute Aussetzung dem Alkohol steigert die Wirkung von Serotonin auf 5-HT3-, und die Wirkung von Acetylcholin auf Nikotin-Rezeptoren. Beide Rezeptoren aktivieren Kationenkanäle, so stimuliert Alkohol die Wirkung solcher hypothetischen Neurone, die nur diese ionotropen Rezeptoren enthalten. Dieser Mechanismus kann Stimulierung nach der Verabreichung kleiner Mengen von Alkohol erklären (Abbildung 3.).

Abbildung 5.33. Abbildung 3.: Angeblicher Wirkungsmechanismus akuter Aussetzung kleiner Dosen von Alkohol in hypothetischen Neuronen, die Serotonin- (5-HT3) und Nikotin-Rezeptoren enthalten. Stimulierung dieser Neuronen kann angenehme Stimmung, gesteigerte Aktivität am Beginn der Alkoholverzehrung erklären

Abbildung 3.: Angeblicher Wirkungsmechanismus akuter Aussetzung kleiner Dosen von Alkohol in hypothetischen Neuronen, die Serotonin- (5-HT3) und Nikotin-Rezeptoren enthalten. Stimulierung dieser Neuronen kann angenehme Stimmung, gesteigerte Aktivität am Beginn der Alkoholverzehrung erklären

Wenn die Menge des verabreichten Alkohols gesteigert wird, kommen immer mehr depressive Zentralnervensystemwirkungen in den Vordergrund. Wirkungen von Glutamat auf NMDA- und Kainat-Rezeptoren werden von Alkohol gehemmt, eine hemmende Wirkung wird auf spannungsgesteuerte Kalziumkanäle ausgeprägt, und Wirkungen des hemmenden Transmitters, GABA, auf Chlorid-Ionenkanal-gekoppelte GABAA-Rezeptoren werden gesteigert. Milde Abnahme der GABAA-Rezeptoren, Vermehrung von Kalziumionenkanälen und NMDA-Rezeptoren resultieren aus chronischer Aussetzung dem Alkohol. Ein neues Gleichgewicht entsteht unter laufender Alkoholzufuhr. Wenn die Zufuhr plötzlich abgebrochen ist, Entzugserscheinungen treten auf. Der von Depolarisierung ausgelöste Kalziumeinstrom wird durch Vermehrung der Kalziumkanäle gesteigert, und Freisetzung von Transmitter aus den Neuronen nimmt zu. Diese zellulären Mechanismen erklären Toleranz und physische Abhängigkeit zu Alkohol gut (Abbildung 4.).

Die Entstehung psychischer Dependenz ist darauf gegründet, dass Ethanol, wie meiste Mittel mit hohem Missbrauchspotenzial, das mesolimbische Dopaminsystem aktiviert.

3.2.2. Abstinenzsyndrom

Die Symptome melden sich nach ungefähr 8 Stunden dem Abbruch der Alkoholzufuhr. Das erste Stadium dauert etwa 24 Stunden, wird von Zittern, Übelkeit, starker Schwitze, Hyperthermie, manchmal Wahnbilder charakterisiert. Tonische-klonische Krampfanfälle können in der zweiten Phase (2–5 Tage) auftreten, dann kommt entweder stufenweise Besserung oder „Delirium tremens”. Der Patient wird nervös, benommen, aggressiv, er hat bedrohliche Träume, visuelle, meistens verfolgende Wahnbilder (Sicht von Insekten, Kriechtieren), darauf er sich später als Wirklichkeit erinnert. Zentralnervensystemerscheinungen werden von vegetativen Störungen, Schwitzen, Dehydration, Elektrolytstörungen, kardiovaskuläre Störungen erfolgt. Das schwere Entzugssyndrom kann sogar tödlich sein, besonders in verdorbenen Patienten. Für die Erleichterung der Symptome werden Benzodiazepine, der adrenerg 2-Rezeptor-Agonist Clonidin, -Rezeptor-Hemmer, manchmal auch Clomethiazol (ein Mittel mit antikonvulsiver, sedatohypnotischer und Muskel-entspannender Wirkung), oder Meprobamat angewendet. Verzehrung Alkohols vermindert meistens akute Entzugserscheinungen, im Delirium ist es aber selten wohltuend.

3.2.3. Behandlung chronisches Alkoholismus, Entziehungskur

Der Grund der aversiven Behandlung ist starke Hemmung des Stoffwechsels Alkohols von der Verbindung Disulfiram. Im Organismus, besonders in der Leber wird 90% des Alkohols verstoffwechselt. In der ersten Stufe entsteht Azetaldehyd aus Alkohol durch die Wirkung von Alkoholdehydrogenase, dann wird dies von Aldehyddehydrogenase zu Essigsäure weiteroxidiert. Disulfiram reagiert mit den SH-Gruppen des Enzyms Aldehyddehydrogenase, es inaktiviert das Enzym irreversibel. In der Gegenwart von Disulfiram stockt sich der Stoffwechsel Alkohols bei Azetaldehyd, das sich im Organismus akkumuliert, und unangenehme, sogar schwere Erscheinungen verursacht. Rötungen, Tachykardie, Hyperventilation, Erbrechen, Panikattacke treten auf. Durch Hervorrufen dieses unangenehmen Syndroms („Antabuse-Reaktion“, Azetaldehyd-Syndrom“) probiert man Getränke für Alkoholisten verhasst machen mit mehr oder weniger Erfolg. Der Stoffwechsel Ethanols wird von Substanzen anders als Disulfiram auch gehemmt, z.B. Metronidazol, Cephalosporine, Nitrofurantoin, usw., deshalb soll kein Alkohol unter der Verwendung derer mitverabreicht werden. Disulfirampräparate können unter die Haut implantiert werden, aber in solchen Fällen bildet sich der genügende Plasmaspiegel nicht immer auf. Disulfirambehandlung ist heutzutage nur selten angewendet und kann auch ethisch kritisiert werden. Gute Ergebnisse wurden mit dem oralen Opioid-Antagonist Naltrexon auch in der Behandlung von Alkoholismus erreicht. Obwohl der Wirkungsmechanismus nicht völlig geklärt ist, wird das Alkohol-induzierte angenehme Gefühl von Naltrexon effektiv gehemmt. Acamprosat wird für die Verminderung der Alkoholsucht angewendet. Dieses heutzutage eingeführte Taurin-Analogon ist ein schwacher Antagonist der NMDA Glutamat-Rezeptoren. Dauernde Abgewöhnung von Alkohol bedeutet eine große Anstrengung für die Patienten, Psycho- und Soziotherapie sind sehr wichtig.

Abbildung 5.34. Abbildung 4.: Akute Aussetzung großer Mengen von Alkohol löst depressive Wirkungen in dem Zentralnervensystem aus. Alkohol hemmt die Wirkungen von Glutamat auf NMDA- (N-Methyl-D-Aspartat) und Kainat-Rezetporen, prägt eine hemmende Wirkung auf spannungsgesteuerten Ca2+-Kanälen aus, und steigert die Wirkung des hemmenden Transmitters, GABA (Gamma-Aminobuttersäure) auf GABAA-Rezeptoren. Angeblich stehen diese hemmenden neuronalen Wirkungen im Hintergrund des depressiven Zustands, der Betrunkenheit charakterisiert. Milde Abnahme der GABAA-Rezeptoren, Vermehrung der Kalziumkanäle und NMDA-Rezeptoren werden von chronischer Alkoholaussetzung (in Alkoholisten) hervorgerufen. Trotz erhöhter Nummer der Ionenkanäle bildet sich in dem Fall von laufender Alkoholzufuhr ein neues Gleichgewicht aus. Wenn die Alkoholverabreichung plötzlich abgebrochen ist, Abstinenzsyndrom tritt auf. Der von Depolarisierung ausgelöste Kalziumeinstrom wird wegen erhöhter Nummer der Kalziumkanäle gesteigert, das die Aktivität des Neurons und Transmitterfreisetzung aus Nervenzellen fördert. Diese angeblichen zellulären Mechanismen können die Ausbildung der Toleranz und physischer Abhängigkeit gegen Alkohol erklären

Abbildung 4.: Akute Aussetzung großer Mengen von Alkohol löst depressive Wirkungen in dem Zentralnervensystem aus. Alkohol hemmt die Wirkungen von Glutamat auf NMDA- (N-Methyl-D-Aspartat) und Kainat-Rezetporen, prägt eine hemmende Wirkung auf spannungsgesteuerten Ca2+-Kanälen aus, und steigert die Wirkung des hemmenden Transmitters, GABA (Gamma-Aminobuttersäure) auf GABAA-Rezeptoren. Angeblich stehen diese hemmenden neuronalen Wirkungen im Hintergrund des depressiven Zustands, der Betrunkenheit charakterisiert. Milde Abnahme der GABAA-Rezeptoren, Vermehrung der Kalziumkanäle und NMDA-Rezeptoren werden von chronischer Alkoholaussetzung (in Alkoholisten) hervorgerufen. Trotz erhöhter Nummer der Ionenkanäle bildet sich in dem Fall von laufender Alkoholzufuhr ein neues Gleichgewicht aus. Wenn die Alkoholverabreichung plötzlich abgebrochen ist, Abstinenzsyndrom tritt auf. Der von Depolarisierung ausgelöste Kalziumeinstrom wird wegen erhöhter Nummer der Kalziumkanäle gesteigert, das die Aktivität des Neurons und Transmitterfreisetzung aus Nervenzellen fördert. Diese angeblichen zellulären Mechanismen können die Ausbildung der Toleranz und physischer Abhängigkeit gegen Alkohol erklären

3.3. Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) „GINA”

GHB wird oft flüssiges Ecstasy genannt. Das ist ein synthetisches Suchtmittel, dessen Freizeitanwendung nur kürzlich anfing. Es wurde zuerst in 1961 hergestellt und für eine kurze Weile als Generalanästhetikum angewendet, jetzt gilt es aber als illegales Suchtmittel. Es ist eine farblose, mild salzige, geruchlose Flüssigkeit, es kann gut in z.B. Säfte aufgelöst werden („date rape drug”). Es wird schnell resorbiert, maximale Plasmakonzentration wird innerhalb 20-30 Minuten erreicht. Seine Eliminationshalbwertszeit ist etwa 30 Minuten. Wirkungsmechanismus: Dopaminfreisetzung in dem Nucleus accumbens, im Bereich der „Belohnungsbahn“ wird durch Enthemmung GABAerger Neuronen gesteigert.

GHB wird oral verabreicht und die Wirkungen ähneln sich zu den Effekten von Ketamin. Lange war es als ein Rendezvous-Suchtmittel angedacht: es gab häufige Zeitschriftartikel in Amerika und in mehreren Ländern von Europa über Straftaten, die mit der Hilfe dieser Substanz angetan wurden. Eine Wirkung der Substanz (Erinnerungsverlust) wurde zur Plünderung benutzt – sie wurde ins Getränk des Opfers zugemischt, sodass sie sich daran nicht erinnern können was geschähen war. In kleinen Mengen verursacht das Mittel ein stilles, friedliches Gefühl, macht den Anwender lustig und ansprechbar, hebt die innere Hemmungen auf, aber kann manchmal Müdigkeit auslösen. Große Mengen können totalen Erinnerungsverlust, Koordinationsverlust, Muskelkater, Ragenanfälle, Benommenheit, Ohnmachtsanfälle, Unbewusstheit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen verursachen. Eine Überdosis kann sogar zu Koma, Krampfanfälle, Erstickung, Atmungsstörungen und Tod führen. GHB wird auch als ein luststeigerndes Suchtmittel vermarktet. Regelmäßige Anwendung kann Abhängigkeit verursachen – mit Entzugserscheinungen. Mit Alkohol mitgenommen kann es außerordentlich gefährlich sein.

4. Industrielle Lösungsmittel, Kleber (Schnüffeln), Gas- und Dampfnarkotika, „Poppers”

Diese Gruppe konnte nach didaktischer Einordnung zu den Mittel, die das Zentralnervensystem deprimieren gehören, aber wird wegen dem speziellen Verabreichungsweg getrennt verhandelt.

Bei Schnüffeln werden verschiedene lipophile, schnell ausdünstende Verbindungen (Dieselkraftstoff,Lösungsmittel, Kleber, Schuhcreme, Acrylfarben) angewendet. Der mit Lösungen, Gelen getränkter Lappen oder Watte wird in einen Plastikbeutel gelegt und die Dämpfe werden vom Beutel eingeatmet. Toxische Komponenten (Toluol, Heptan, Hexan, Benzol, Fluorokarbone) penetrieren schnell in das Zentralnervensystem, zuesrt werden freudvolle Stimmung, Euphorie, Besoffenheit ausgelöst. Dann treten Benommenheit, Wahnbilder, zuletzt Depression auf. Bedeutende psychische Abhängigkeit bildet sich aus, die das Individuell zu wiederholter Anwendung zwingt. Toleranz kann vorkommen, aber praktisch keine physische Abhängigkeit existiert. Überdosis kann plötzlichen Tod durch tödliche Arrhythmie oder Erstickung, akute Hypoxie verursachen. Chronische Anwendung kann zu Leber-, Lungen-, Nierenschädigung, Knochenmarkdepression führen. Die verabreichte Mittel sind neurotoxisch, neben Hirnschädigung kann peripherische Neuropathie vorkommen.

Weil die Substanzen einfach und günstig zu beschaffen sind, sind die Hauptanwender Jugendliche, die oft von sozialen, familiären, Schulproblemen nach Schnüffeln flüchten.

Dampf (z.B. Diethylether)- beziehungsweise Gasnarkotika werden auch als Suchtmittel angewendet. Distickstoffmonoxid (N2O) (Stickstoffoxidul, Lachgas) wird nicht nur in den Gesundheitswesen als eingeatmetes Narkotikum verwendet, sondern auch Sahnekartuschen im Haushalt werden damit gefüllt, so kann das einfach und günstig beschaffen werden.

Poppers: Das Wort „Popper” ist umgangssprachlich und bedeutet eine Kanone (der Begriff „sex-enhancer“ ist auch gekannt. Die Wirkstoffe gehören zu der Gruppe der Alkylnitrite: Amylnitrit (Isoamylnitrit), Propylnitrit, Butylnitrit, Isobutylnitrit. Diese sind flüchtige, leicht ausdünstende Verbindungen, die in Fläschchen oder Ampullen geladen verschlossen vermarktet werden. Wenn die Kappe geöffnet wird, kann den Gehalt des Fläschchens eingeatmet werden. Diese können meistens in Erotikshops, Schwulenkneipen und Videotheken beschaffen werden, aber sie sind auch am Internet auf vermarktet. Vor ein paar Jahren wurden sie als Schwulensuchtmittel angesehen, heutzutage sind sie aber auch in Diskotheken, Partys, Bars zu finden. In Ungarn sind sie nicht weit verbreitet. Die Fläschchen werden mit Phantasienamen versorgt: z.B. Bad Red, Bronx, G.I., One, Rush, Hard Ware, Quick Silver, Rock Hard, Rave, Kix, TNT, XXX-rated. Nach Einatmen des Dampfes der Flüssigkeit sind die Wirkungen plötzlich zu fühlen. Das Einatmen kann direkt aus dem Fläschchen oder von getränktem Tuch geschähen. Aufbau von cGMP in den vaskulären Glattmuskeln wird von Nitritverbindungen gesteigert, Blutgefäßausdehnung und Abnahme des Blutdrucks werden ausgelöst, die zu Reflextachykardie führen. Erektion mag auch gesteigert werden. Die Substanzen gelangen schnell zu dem Zentralnervensystem, sie verursachen plötzliche, intensive Euphorie (Flash); sexuelle Lust wird gesteigert. Nitrite entspannen Verschlussmuskeln des Afters, örtliche Anwendung ist wohltuend nach Hämorrhoidechirurgie, aber werden sie auch beim Analverkehr angewendet. (95% homosexueller Männer in den USA melden regelmäßige Nitritanwendung). Typische Nitritnebenwirkungen oft erfolgen die Verabreichung, sowie Kopfschmerzen, Schwindel, Hypotonie, sogar Unbewusstheit.

5. Mittel, die das Zentralnervensystem stimulieren, psychomotor Stimulanzien

Dazu gehören Verbindungen mit hohem Abususpotenzial, die das Psychomotorsystem aktivieren, Amphetamin und seine Derivaten, Kokain, Koffein und Nikotin (Abbildung 5.).

Abbildung 5.35. Abbildung 5.: Strukturformel Wichtiger psychomotorischen Stimulanzien bezüglich Missbrauch

Abbildung 5.: Strukturformel Wichtiger psychomotorischen Stimulanzien bezüglich Missbrauch

5.1. Amphetamine

  • AMPHETAMIN

  • DEXTROAMPHETAMIN

  • METHAMPHETAMIN ( „Speed”)

  • FENMETRAZIN (Preludin)

  • METHYLFENIDAT (Ritalin)

  • DOM („STP”; Dimethoxy-4-Methylamphetamin)

  • MDA (Methylendioxyamphetamin)

„Designerdrogen ”:

  • MDMA (Ecstasy; Methylendioxymethamphetamin)

  • MEPHEDRON („Miau-miau” „Mephisto”, „Kathy”, „Sue”

  • 4-Methylmethcathinon „Khat” Alkaloid 4-MMC)

  • MDPV (3,4-Methylendioxypyrovaleron) „Badesalz”

Der Name „Designerdroge“ tauchte in den 1980er Jahren in den USA auf und beschrieb meistens verschiedene Opioidsubstanzen (z.B. Derivaten des Mittels Fentanyl) und in den USA bis 1985 legale MDMA oder Ecstasy Tabletten. Obwohl keine universale Definition existiert, solche Verbindungen werden meistens von der Drogensparte Designerdrogen genannt, die durch chemische Änderung eines verbotenen Mittels hergestellt werden, sodass die neuresultierende Substanz die originelle Wirkungen erhalten wird, aber Wegen der Änderung nicht mehr verboten ist. Also die – noch nicht verbotenen – Designerdrogen gelten als keine Suchtmittel, obwohl ihre Wirkungen sehr ähnlich wie die von verbotenen Substanzen sein können.

In April 2012. wurde in Ungarn die C-Liste eingeführt; sie enthält Regel gegen neuauftauchende Suchtmittel im Allgemeinen. Alle solche neue „Designerdrogen“ werden illegal verkündet, die allgemeine chemische Struktur der originellen Substanzen enthalten.

http://www.daath.hu/showText.php?id=213

Amphetaminderivate werden meistens peroral, manchmal aber auch iv. verabreicht. Sie beschleunigen lokomotorische Aktivität, lösen Euphorie, Aufgeregtheit aus, steigern geistige und physische Aktivität, Selbstvertrauen, sie vermindern Appetit. Große Dosen rufen Krampfanfälle, Schizophrenie-ähnliche Psychose hervor. Freisetzung der Monoamin Neurotransmitter Noradrenalin, Dopamin und Serotonin aus Neuronen wird gesteigert, und ihre präsynaptische Wiederaufnahme (Uptake-1) wird gehemmt. Neben zentrale reizende Wirkungen werden auch peripherische sympathomimetische Wirkungen ausgeprägt. Sympathische Amin-Transmitter steigern die Herzfrequenz, die Arythmieneigung, den Blutdruck. Vasospasmen, Blutungen können vorkommen (Herz, Gehirn). Plazentare Vasospasmen können bei schwangeren Müttern in dem dritten Trimester zu Schädigung, sogar Tod der Leibesfrucht führen. Sympathische Reizung und motorische Hyperaktivität fördern Stoffwechsel, während die Hautgefäße sich verengen. Die mit dem Schwitzen weggegebene Wärme kann hohe Thermogenese nicht kompensieren, Hyperthermie (40–42 °C) tritt auf. Das kann in verschlossenen, warmen, feuchten Räumen, z.B. Diskotheken besonders gefährlich sein. Hohe Körpertemperatur fördert Krampfneigung. Der Drogenanwender ist sehr durstig, er trinkt große Mengen von Flüssigkeit. Hohe Körpertemperatur und Blutdruck, Arrhythmie, Azidose, feste Muskulatur, Mydriasis, feuchte Haut und Dehydration, bisweilen Hyperhydration, sowie Benommenheit, manchmal Unbewusstsein erregen den Verdacht der Amphetaminanwendung. Die vorkommenden psychotischen Reaktionen sind von Misstrauen, paranoidem Wahn, stereotypen-wiederholten Bewegungen, taktilen und visuellen Wahnbilder, z.B. Aufblitzen charakterisiert. Jedoch wird das Amphetamin primär nicht als Halluzinogen kategorisiert (Ecstasy vielleicht eher).

5.1.1. Behandlung akuter Vergiftung

Unterschtützende Behandlung:

  • Aufgeregtheit/Krampfanfälle: Diazepam,

  • Magenspülung mit Aktivkohle,

  • Hypertonie, Arrhythmien, Hypertermie: α-Blocker (oder andere blutdrucksenkende Mittel) und β-Hemmer; kontrollierte Körpertemperatur (kühlende Decke; Eisbeutel; eiskalte Infusion, usw.)

  • Neuromuskuläre Blockade: Dantrolen (hemmt Kalziumfreisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum)

  • Metabolische Azidose: Natriumbikarbonat, Glucose-Insulin-Therapie

  • DIC, schwere Blutung: Ersatz von Gerinnungsfaktoren

Förderung der Eliminierung: Zwangsdiurese mit Absäuerung des Harns.

5.1.2. Medizinische Anwendung

Wegen großen Missbrauchspotenzials ist medizinische Anwendung der Amphetaminderivate außerordentlich begrenzt. Methylphenidat zum Beispiel wird zur Behandlung Enuresis nocturna (nächtliches Einnässen), Narkolepsie, beziehungsweise Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHD) in Kinder angewendet. Die Leistung der Kinder nimmt von der Behandlung dramatisch zu, aber die Behandlung kann wegen unberechenbarer Nebenwirkungen und zufälliger Missbrauchsgefahr kritisiert werden. Von Langzeittherapie wird meistens abgeraten. Amphetaminderivate wurden auch als Appetitzügler angewendet. Diese Verbindungen (z.B. Mazindol, Fenfluramin) haben relativ kleines Missbrauchspotenzial, aber heutzutage werden sie wegen Nebenwirkungen nie mehr benutzt. Amphetaminderivate werden häufig von Künstlern, LKW-Fahrern, Studenten als Stimulanzien verabreicht.

Die Verbindungen werden von dem Gastrointestinaltrakt, der Nasenschleimhaut gut resorbiert. Sie werden als Pulver, Tabletten, manchmal i.v. von Suchtmittelanwender verabreicht. Kristalle von Methamphetamin (Ice) werden aufgeheizt, die Dämpfe werden eingeatmet. Die Dosis ist 50–200 mg, kann aber auch mehrere Gramm sein.

Neben psychomotorische Aktivität hat Ecstasy (MDMA) auch halluzinogene Wirkung, Tabletten von 50–100 mg werden vermarktet.

Weil physische Abhängigkeit nicht zu stark ist, Amphetaminderivate können plötzlich entzogen werden. Entzugssyndrom, welches ungefähr für 1 Woche dauert, ist von Sucht für die Substanz, Depression, Angst, Schläfrigkeit, Müdigkeit, Hyperphagie beschrieben.

Mephedron, auch 4-Methylmethkatinon (4-MMC), oder 4-Methylephedron genannt ist ein synthetisches stimulierendes Suchtmittel, das zu der Gruppe von Amphetaminderivate gehört. Früher war es ein legales Aufputschmittel. Manchmal war es mit Metilon gemischt verkauft. Mephedron wurde als Kapseln, Tabletten oder weiße Mikrokristalle vermarktet. Es wird durch Schlucken, Schnüffeln oder intravenös in den Organismus eingeführt. In 2009 war es das vierte populärste Straßensuchtmittel in England direkt nach Marihuana, Kokain, und Ecstasy. Seine internationalen Umgangsnamen sind Mef, Purpur und MKAT. In Ungarn ist es nach dem Kathstrauch und der Verbindung Kathinon auf dem Umgangsnamen "Kati" bekannt.

Der Wirkungsmechanismus von Methylendioxypyrovaleron (MDPV), „Badesalz”, ist Hemmung der Wiederaufnahme von Norepinephrin und Dopamin, so werden zu der von Amphetamin und Kokain ähnliche Wirkungen ausgelöst. Angeblich wird es seit 2004 als eine Designerdroge vermarktet. Es ist auch als MDPK, MTV, Magic, Maddie, Black Rob, Super Coke und PV bekannt. In 2010 wurde es als legale Droge „Badesalz“ in den USA vermarktet (unter den Namen Aura, Blue Silk, Bonzai Grow, Charge Plus, Euphoria, Hurricane Charlie, Ivory Wave, Lovey Dovey, Ocean, Pixie Dust, Red Dove, Scarface, Vanilla Sky, White Dove, White Girl, White Lightning). Es wurde in den Warnungen der Medien und von Gesetzeshütern ”gefährliche, aber legale Droge ”, ”ein Kokainduplikat ”, ”der Teufel”, ”Gift”, ”synthetisches Speed” genannt.

5.2. Kokain

Der Kokastrauch wurde von südamerikanischen Eingeborenen seit 1200 Jahren angewendet, weil Kauen der Blätter der Pflanze die Müdigkeit vermindert, geistige und physische Leistung steigert. Der Wirkstoff der Pflanze, Kokain (Benzoylmethylekgonin) wurde in 1860 isoliert. Wegen seiner psychostimulierende Wirkung wurde es zuerst von dem Psychiater Freud angewendet, dann wurde die lokalanästhetische Wirkung von seinem Kollege, dem Ophthalmologen Karl Köller entdeckt, und zuerst in Augenchirurgie angewendet. Jetztige medizinische Anwendung von Kokain ist auch auf örtlicher Zufuhr begrenzt, es wird als örtliches Lokalanästhetikum zu den Augen und den Schleimhäuten angewendet. Es gibt keine systemische Therapeutische Anwendung, aber es ist ein sehr populäres Suchtmittel. Seine pharmakologische Wirkungen ähneln sich zu der von Amphetamin. (Eine Blindstudie zeigt, dass erfahrene Benützer die akuten Wirkungen von Kokain und Ampheramin i.v. nicht auseinanderhalzen konnten.) Sein Wirkungsmechanismus ist die Hemmung von Uptake-1, also von der Wiederaufnahme der Monoamine in die präsynaptischen Nervenendigungen.

Kokain, wie Amphetamin, beschafft starke psychostimulierende Wirkungen. Es fördert geistige und physische Leistung, löst das Gefühl von „Alleswissen“ aus, steigert sexuelle Aktivität.

Kokainchlorid (Flake, Snow, Gold dust) ist eine weiße kristallische Substanz. Normalerweise wird der Pulver von Kokainanwender auf die Nasenschleimhaut geschnüffelt (Snuff). Wegen der blutgefäßverengernden Wirkung von Kokain kann sich auf der Schleimhaut ein Geschwür ausbilden, in schweren Fällen kann sogar die Nasenscheidewand perforiert werden. Manche verabreichen Kokain-HCl Lösung intravenös. „Snow“ ist teuer, was ihn kriminologisch sehr gefährlich macht.

Wenn Kokainchlorid mit Natriumbikarbonat und Wasser aufgeheizt wird, fällt die Kokainbasis als Klumpen aus. Weil unter die Heizphase ein Knackgeräusch zu hören ist, wird die so hergestellte Kokainbase „Crack”genannt. Crack ist eine flüchtige, lipophile Substanz. Es wird in der Pfeife gestopft; seine Dämpfe werden eingeatmet. Fast plötzlich bilden sich hohe Konzentrationen in dem Zentralnervensystem aus, Orgasmus-ähnliche Euphorie („kick“, „rush“) wird ausgelöst (die Resorption von den Alveolen ist schnell). Crack führt zu sehr starker psychischer Abhängigkeit, es gibt nur eine minimale Gelegenheit von Crackrauchen in die normale Lebensweise zurückzukehren (obwohl die physische Abhängigkeit nicht sehr stark ist).

Kokain akkumuliert sich in den Haaren. Von der Untersuchung der Haare kann Kokainanwendung abgezogen werden. Nebenwirkungen und Erscheinungen der akuten Überdosis von Kokain und Amphetamin sind gleich.

5.3. Koffein

Es ist eine milde legale Psychostimulanz. Es ist in Genussmittel, wie Tee, Kaffee, Kola, Schokolade enthalten, kann auch als Arzneimittel in der Form von Tabletten, Pillen, Pulver, Spritze verordnet werden. Koffein dient zur Steigerung geistiger, physischer Aktivität. In Ungarn werden kleinere oder größere Mengen in der Form der vorgerechneten Genussmittel von 80% der Bevölkerung konsumiert. Die Tagesdosis reicht von 50 mg (1 Espresso) bis sogar 800 mg. Herzfrequenz, Atmungsfrequenz, Stoffwechsel, Magensäuresekretion werden von Koffein gefördert. Es hat auch diuretische und bronchodilatatorische Wirkungen. Die individuelle Empfindlichkeit ist schwankend. Sein Wirkungsmechanismus ist die Hemmung des Enzyms Phosphodiesterase, dadurch wird die Konzentration von cAMP in den Zellen gesteigert. Anderseits prägt es direkt auf Adenosin-Rezeptoren (P1-Purinozeptoren) eine antagonistische Wirkung aus. Es ist schwer zu entscheiden, welcher Mechanismus für welche Wirkung von Koffein im Mensch verantwortlich ist. Adenosin ist ein ubiquitärer negativer Neuromodulator, es hemmt die Freisetzung von zahlreichen Neurotransmittern in dem Zentralnervensystem. Hemmung der Adenosin-Rezeptoren wirkt also stimulierend für Transmitterfreisetzung. Zunahme des neuronalen cAMP Spiegels kann neuronale Aktivität auch fördern. Ebenso, auch die Adenosin-antagonistische Wirkung und Hemmung der Phosphodiesterase führen zu Bronchodilatation. Die frühere Theorie, dass die psychomotorstimulierende Wirkung von Koffein aus der Ausdehnung der Hirngefäßen resultiert, konnte durch keine objektiven Verfahren nachgewiesen werden.

Toleranz bildet sich in dem Fall von regelmäßiger Koffeinverabreichung aus. Beim plötzlichen Abbruch können sogar milde Entzugserscheinungen auftreten in der Form von Hypotonie, Kopfschmerzen, Irritabilität, Lethargie.

Die meisten Wirkungen von Theophyllin stehen dem Koffein nahe.

5.4. Rauchen, Nikotin

Gesundheitsschädigende Wirkung des Rauchens ist außerordentlich schwer und große Menschenmengen sind in der Welt und auch in Ungarn davon betroffen. Nikotin ist ein Alkaloid von Nicotiana tabacum. Nikotingehalt der Tabake zeigt schwankungen zwischen breiten Grenzen (0,05–1%). Eine Zigarette enthält durchschnittlich 10–20 mg Nikotin, was stark giftig wäre, wenn es keiner Pyrolyse ausgesetzt wäre, und 90% der eingeatmeten Menge nicht ausgeatmet würde. Ein paar Zigaretten können oral tödlich sein, wenn sie als Tee für Pflanzenschutz ziehen gelassen werden, obwohl die enterale Resorption gering ist. Der Rauch enthält feste Partikel (z.B. Teer mit Benzpyren), Tropfen und Gase (z.B. CO2, CO, NH3, HCN).

5.4.1. Akute Wirkungen

Wegen weiter Verbreitung der Nikotin-Rezeptoren sind akute Wirkungen von Nikotin vielerlei. Tachykardie, Herzklopfen sind wegen der Reizung peripherischer sympathischer Ganglien typisch, Darmbewegungen werden von der Stimulierung parasympathischer und enteraler Ganglien verursacht. Mobilisation von Adrenalin aus den Chromaffinzellen der Nebennierendrüse wird gefördert, wodurch sympathische Wirkungen gesteigert werden. Brechreiz, Husten werden durch die Reizung der Nikotin-Rezeptoren auf sensorischen Vagus-Fasern ausgelöst. In dem Rückenmark werden Hyporeflexie, Muskelentspannung durch Förderung der Renshaw-Hemmung verursacht. Wachsamkeit, Erinnerung werden gefördert.

Tödliche Vergiftungen durch Rauchen sind selten, aber das Trinken von Nikotinlösung kann durch Reflexherzstillstand plötzlichen Tod verursachen. Die Haupterscheinungen schwerer Nikotinvergiftung sind die Folgenden: Bauchkrämpfe, Durchfall, Erbrechen, Schwitzen, schwankender Blutdruck, schwacher, schwankender Puls, Muskelschwäche, Schwindel, Hör- und Sehstörungen, Benommenheit, Angst, Aufgeregtheit, Krampfanfälle, Atmungsstörungen, am Ende Atmungsstillstand. Die Behandlung akuter Vergiftung ist symptomatisch: der eingenommene Giftstoff wird durch Magenspülung entfernt, Atmung und Blutkreislauf werden stabilisiert.

5.4.2. Chronische Toxizität, Abhängigkeit

Obwohl das Rauchen der ersten nikotinhaltigen Zigarette Schwindel, Übelkeit, unangenehme Erscheinungen auslöst, Toleranz bildet sich schnell aus, dann treten starke psychische und milde physische Abhängigkeit auf. Müdigkeit, Stress und Spannung werden von Nikotin vermindert. In Ungarn sind 40% der erwachsenen Bevölkerung regelmäßige Raucher, diese Nummer ist in den Vereinigten Staaten von Amerika nur 26%. Nikotin wird normalerweise durch Pfeifen, Zigarettenrauchen, Zigarrenrauchen oder Kauen von Tabakblättern in den Organismus eingeführt. Nicht-ionisierte Form von Nikotin löst sich in Lipiden gut auf. Zigarettenrauch wird meistens von den Lungen, Pfeifen- und Zigarrenrauch werden meistens von der Mundhöhle, dem Nasenrachenraum resorbiert. Resorption aus dem Magen-Darm-Trakt ist langsam, aber nicht nebensächlich. Nikotin penetriert leicht in das Gehirn, die Leibesfrucht, Muttermilch. Es ist ein Enzyminduktor in der Darmschleimhaut und der Leber, so wird der Metabolismus zahlreicher Arzneimittel beschleunigt.

In dem letzten Jahrzehnt nahm die Nummer der Raucher namentlich unter Angestellten ab als Folge erfolgreicher Kampagnen. Am wirksamsten ist das Verbot von Rauchen in Ämten und öffentlichem Verkehr. Zwanzig % aller Todesfälle werden von Rauchen verursacht. Teergehalt der Tabakwaren ist karzinogen, Prävalenz des Lungen- und Kehlkopfkarzinoms unter Rauchern ist zwanzigmalig, aber Rauchen ist ein Risikofaktor auch der Ausbildung von Mundhöhle-, Speiseröhre-, Bauchspeicheldrüse-, Nieren- und Blasenkarzinom. Passives Rauchen ist auch gefährlich. Obstruktive Lungenerkrankungen werden bedeutend von Rauchen erschwert. Wegen blutgefäßverengender und thrombogener Wirkung von Nikotin und anderen Bestandteilen des Tabakrauchs führt Rauchen zu tödlichen kardiovaskulären Komplikationen (Herzanfall, Arterienverkalkung). Von oralen Verhütungsmitteln ausgelöste Thromboseneigung wird von Rauchen gefördert. In der Schwangerschaft ist Rauchen besonders gefährlich. In diesem Fall ist angeblich Nikotin der Hauptschadfaktor. Späte spontane Fehlgeburten sind wegen Verengung der plazentaren Blutgefäße häufig. Das Geburtsgewicht nimmt ab, perinatale Mortalität nimmt zu, Risiko des plötzlichen Kindstods wird gesteigert, körperliche und geistige Entwicklung des Säuglings bleibt auch später hinter der Normale zurück.

5.4.3. Abhängigkeit

Starke psychische Abhängigkeit bildet sich aus, die nicht nur von Nikotinmissbrauch aber auch von der Zeremonie des Anrauchens geregelt wird. Abgewöhnung ist schwer, Rückfall ist 60–80% innerhalb 1 Jahr. Plötzlicher Abbruch kann Entzugssyndrom auslösen. Entzugserscheinungen präsentieren sich als Irritabilität, Agression, Schlafstörungen, Appetitszunahme, Esssucht, Erinnerungsstörungen. Dieser Zustand dauert für 2–3 Wochen. erscheinungen können von Benzodiazepine, beziehungsweise Clonidin vermindert werden.

Nikotinhaltiger Aufkleber und Kaugummi fördern die Abgewöhnung, vermindern die Entzugserscheinungen. Oraler Nikotinersatz kommt wegen kurzer Wirkungsdauer und geringer gastrointestinaler Resorption nicht in die Frage. Der Aufkleber besorgt stabilen Plasmaspiegel und gute Verminderung der Nikotinsucht. Als Nebenwirkungen können Übelkeit, Bauchkrämpfe, Husten, Schalflosigkeit, Blutgefäßverengung auftreten. Er kann keinen Patienten mit Herzerkrankungen zugeführt werden. Ersatzbehandlung steigert nur die Aussicht der totalen Abgewöhnung, starke Wille des Individuums ist unabkömmlich. „Falsche Zigaretten“ (Nikotindunst) bieten in einigen Ländern eine Alternative an.

6. Psychedelika, Halluzinogene

Vor allem beeiflussen diese Verbindungen Erkenntnis, Denken, psychomotorische Aktivität ist weniger betroffen. Zu dieser Gruppe gehören Lysergsäurediethylamid(LSD),Mescalin, Psilocybin, Phencyclidin, Ketamin (Abbildung 6.)

Abbildung 5.36. Abbildung 6.: Chemische Strukturformeln wichtigerer Psychedelika

Abbildung 6.: Chemische Strukturformeln wichtigerer Psychedelika

6.1. LSD, Lysergsäurediethylamid (Acid, Cid, Paper, Vitamin L)

Es ist eine hochpotente Substanz, 50–60 μg prägt schon eine ausdrückliche Wirkung aus. Es hat keine therapeutischen Indikationen, ist eine verbotene Substanz, die als Suchtmittel angewendet wird. Es ist ein Derivat von Lysergsäure, ein Alkaloid des Mutterkorns, ein Fungus, der auf Getreide schmarotzt. Die Strukturformel von LSD enthält Indol, das auch in der Struktur von Serotonin anwesend ist.

Es wurde in 1938 von dem helvetischen Pharmazeut Albert Hofmann in Basel synthetisiert. Hofmann hat die Substanz auf sich selbst ausprobiert und ihre Wirkungen beschrieben. Er sah grotesque, bunte Masken um sich. Er fühlte seinen Körper und Glieder schwer, als ob sie mit Blei gefüllt wären. Er sah sich selbst von außen, als ein unabhängiger Zuschauer. Diese Wirkung dauerte ein paar Stunden, dann schlief er tief ein. Am nächsten Tag wachte er in gutem Zustand, mit klarem Kopf auf.

LSD wird auf dem Drogenmarkt in sehr verschiedenen Formen vermarktet. Oft werden Saugpapier, Briefmarken, Aufkleber mit LSD-haltiger Flüssigkeit getränkt, aber wird es auch als Tabletten, Gallertstücke oder Lösungen verkauft. LSD war in den 60er Jahren, in dem goldenen Zeitalter der Hippiebewegung am populärsten, aber wird auch heute verkauft. Es hatte einen großen Einfluss auf bildende, darstellende Künstler. Viele versuchten die Natur des veränderten Geisteszustands durch Kunststücke zu reproduzieren. Die Künstler haben das nicht verdeckt, dass die Eingebung von LSD stammt. Die Erfahrungen von Hofmann wurden von vielen Anwender unterstützt: ein Teil des Bewusstseins benimmt sich nur als Zuschauer („Spectator ego”), neben bizarren, bunten Wahnbilder tauchen Verschwimmen der Grenzen des Selbst und der Welt, vorübergehende Bilder, Synästhesie auf. Wahrnehmung der Zeit ändert sich. Die Wirkungsdauer von LSD ist ungefähr 12 Stunden, aber als späte Wirkung kann plötzliche Bewusstseinänderung, „Flashback” sogar nach Wochen vorkommen.

Es gibt kaum physische Abhängigkeit.

6.2. Psilocybin

Es ist von Pilzen enthalten (Psilocybe cubensis, Psilocybe mexicana, usw.). „Magische“ Pilze wurden seit Jahrtausenden von den amerikanischen Eingeborenen vor allem für religiöse, magische Bräuche angewendet. Psilocybinhaltige Pilze wurden in 1968 in den Vereinigten Staaten verboten. Die Durchschnittdosis reicht 1–5 g getrocknete oder 10–50 g frische Pilze, die in Nahrung, Getränke gemischt verzehrt wird, weil er sehr unangenehm schmeckt. Gelegentlich wird der getrocknete Pilz kleingeschnitten und als Zigarette geraucht. Die Wirkung ähnelt sich sehr zu der von LSD, sie ist aber weniger intensiv und kürzer. Eigenschaften der Wirkung (Reise, „Trip”) sind Folgende: Selbstbewusstssein geht verloren, das Individuum sieht sich von draußen. Bunte Wahnbilder, verkrümmte Wahrnehmung treten auf. Europäische Psylocybe-Spezies (z.B. Spitzkegeliger Kahlkopf, „liberty cap”) werden seltener als Psychedelika angewendet.

Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) wird von Schamanen, Zauberer primitiver Gesellschaften in Europa, Asien und Nordamerika um eine Ekstase auszulösen angewendet. Auch einfache Einwohner Russlands usw. sammeln diesen Pilz, und trocknen ihn ein, um später Rausch auszulösen. Zentralnervensystemerscheiunungen werden in dem Fall dieses Pilzes von keiner Indolverbindung oder von Muskarin, sondern von dem GABAA-Rezeptor-Agonist Muscimol (und vielleicht Muskazon) verursacht. Die strukturell ähnliche Ibotensäure ist ein Glutamatrezeptor-Agonist, die auch als Präkursor für Muscimol dient.

Es gibt kaum physische Abhängigkeit.

6.3. Mescalin

Es ist von der einheimischen Pflanze der südtexanischen und mexikanischen Wüsten, der Peyote-Kaktus (Lophophora williamsii) enthalten. Die Trieben von dem kleinen runden Kaktus heben nur 2–3 cm über den Grund ab, statt Dornen sind sie mit weichen Haaren verziert. Seine große, rosafarbige Blume ist sehr schön. Der Trieb enthält die psychoaktive Substanz, deren Struktur sich zu Noradrenalin ähnelt. Der erdverlegte Teil der Pflanze ist eine lange, rübenartige Wurzel. Normalerweise werden 4–20 Triebe frisch oder getrocknet gegessen, manchmal wird es als Tee zubereitet; 500 mg Mescalin hat schon starke halluzinogene Wirkungen.

Es gibt kaum physische Abhängigkeit.

6.4. Phencyclidin (PCP, Engelsstaub), Ketamin

Ursprungs wurde Phencyclidin als intravenöses Narkotikum, das für dissoziative Anästhesie geeignet ist, angewendet aber wegen starker halluzinogener Wirkung gibt es heute keine therapeutische Anwendungen; die Substanz ist verboten, und ist auf dem Drogenmarkt zu finden. PCP wird oral, als Spritze, geschnüffelt oder eingeatmet verabreicht. Kumulative Anwendung (Binge, Run) ist häufig. Der Pulver wird mit Pflanzenteilen, z.B. Marihuana gemischt und als Zigaretten fertiggestellt (Crystal joint). PCP ist eine stark lipophile Verbindung, es wird innerhalb ein paar Minuten resorbiert, seine Wirkung kann wegen aktiver Metaboliten für Wochen oder Monate dauern. Die Erscheinungen der Vergiftung in der Reihe der Schwierigkeit sind die Folgenden: besoffenheitsähnlicher Zustand, Nystagmus, Desorganisation des Denkens, Teilnahmslosigkeit, katatonische Muskelstarre, bizarres Verhalten, scheinbare Bewusstlosigkeit (die Augen können geöffnet sein, sensorische Reizen können die Hirnrinde erreichen), Koma, Hyperthermie, Krampfanfälle, Hochblutdruck.

Ketamin, der strukturelle Verwandte von Phencyclidin, ist auch heute als intravenöses Narkotikum in der Veterinärmedizin angewendet. Sprechzimmer von Tierärzten werden oft von Suchtanwender beraubt um die Substanz zu beschaffen. Sie wird intramuskulär in der Dosis von 25–300 mg zugeführt. Ketamin wird auch in Humanmedizin verwendet.

6.5. Allgemeine Eigenschaften der Psychedelika

6.5.1. Akute Wirkungen

Am typischsten Wirkungen der Psychedelika sind die Folgenden: visuelle Wahnbilder, Bunte Vorstellungen, aber Geräusche, Töne, tastbare und geruchliche Wahnbilder können auch vorkommen. Das Denken wird von den Substanzen gestört, unlogische, zusammenhangslose Gedanken werden verursacht. Ein schweres Syndrom (Bad Trip) kann ausgelöst werden, welches die Erscheinungen von Schizophrenie ähnelt. Halluzinigene können paranoide Wahnbildungen verursachen, was sehr gefährlich für das Individuum und seinen Umstand ist. Mord und Selbstmord werden unter von Psychedelika ausgelöster Psychose häufig verübt. Heruntersprung von hohen Gebäuden, Brücken ist typisch; die Opfer glauben, dass sie fliegen können.

Phencyclidin und Ketamin haben hypnotische, schmerzstillende Wirkungen, das Kurzzeitgedächtnis wird beeinflusst, Amnesie kann sich ausbilden. Ihre typischste Wirkung ist der Verlust der Selbstbewusstheit, das Durchleben der Dissoziierung von Körper und Seele.

6.5.2. Wirkungsmechanismus

Der genaue Wirkungsmechanismus der Halluzinogene ist auch heute noch unbekannt. LSD bindet zu mehreren Subtypen der Serotonin-Receptoren im Gehirn. Es ist ein Antagonist des 5-HT2-Rezeptors, und ein Agonist der 5-HT1A- und der 5-HT1C-Rezeptoren. Der letztere Mechanismus ist wahrscheinlich mehr für die halluzinogene Wirkung verantwortlich, weil andere zentrale 5-HT2-Antagonisten keine Wahnbilder auslösen. Der angebliche Angriffspunkt von PCP und Ketamin ist das endogäne Opioidsystem, wo sie agonistische Wirkung auslösen, und NMDA-Glutamat-Rezeptoren, wo antagonistische Wirkung verursacht wird.

6.5.3. Abhängigkeit

Abhängigkeit bildet sich schnell aus. In Tiermodellen werden Psychedelika von Versuchstieren nicht selbstverabreicht, lieber aversive Wirkungen werden in Tiermodellen verursacht, trotzdem tritt in Menschen bedeutende psychische Abhängigkeit auf. Abbruch der Zufuhr der Substanzen löst keine Entzugserscheinungen aus. Die größte Gefahr ihrer Anwendung ist „Bad Trip”, was direkt lebensbedrohlich ist.

Akute ärztliche Behandlung der Patienten unter der Wirkung von Psychedelika ist nicht immer nötig. Wenn aber ein Notfall auftritt, Pharmakotherapie soll auch durchgeführt werden, die meistens symptomatisch ist. Senken des Blutdrucks, Verminderung der Wahnbilder (notfalls durch Antipsychotika), Korrektion der Wasser- und Elektrolythaushalts, und des Säure-Base-Gleichgewichts, physisches Kühlen des Patienten, Isolierung von umständlichen Reizen können nötig sein. Wenn es Gefahr von Krampfanfälle gibt, i.v. Diazepam soll zugeführt werden, wenn keine Kontraindikation besteht.

7. Kannabis

Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) ist der psychoaktive Bestandteil der Kannabis-Pflanze (Abbildung 7.). Verschiedene Konzentrationen des aktiven Wirkstoffs sind von den Blättern und den Blüten der weiblichen Individuellen der Kannabis-Spezies (Cannabis sativa, Cannabis indica, Cannabis ruderalis) enthalten. Aus getrockneten Blüten, Blättern der Pflanze werden Zigaretten gedreht, das ist Marihuana oder „Gras”. Wirkstoffgehalt der Zigarette (Joint) ist ungefähr 0,5-1%. Eingedicktere Auszüge sind der harzartige Haschisch (Hash bedeutet eine Frikadelle auf Englisch), und die dicke, klebrige Flüssigkeit Hash Oil, die ungefähr 10% Wirkstoff enthalten. Getrocknete Blätter, Blüten werden auch ins Lebensmittel, z.B. in Kuchen gemischt (Hash Brownies). Das Harz, das Öl werden aufgeheizt und die Dämpfe werden eingeatmet. Wirksamkeit von reinem THC ist hoch, ungefähr 20 mg p.o. kann die typischen pharmakologischen Wirkungen auslösen, obwohl nur 5-10% der oral verabreichten Dosis an dem systemischen Kreislauf gelangt. Bei Inhalationsanwendung werden 2–50% THC resorbiert, technikabhängig. Spitzenkonzentration im Plasma bildet sich innerhalb 7–10 Minuten aus. Die Wirkungsdauer einer Zigarette ist 2–3 Stunden. Bedeutende Verteilung geschäht im Organismus. THC wird in aktive und inaktive Metaboliten umgebaut, die mit der Galle und mit dem Harn ausgeschieden werden.

Abbildung 5.37. Abbildung 7.: Chemische Strukturformeln von Δ9-Tetrahydrocannabinol und Anandamid

Abbildung 7.: Chemische Strukturformeln von Δ9-Tetrahydrocannabinol und Anandamid

7.1. Pharmakologische Wirkungen

Psychedelische und zentralnervensystemdeprimierende Wirkungen mischen sich, mit zusätzlichen zentralmediierten vegetativen Wirkungen. Nach der Anwendung treten entspannter Zustand, wohles Allgemeinbefinden auf, aber neben den subjektiv angenehmen Wirkungen werden motorische Koordination, kognitive Fähigkeiten, Kurzzeitgedächtnis verringert. Wegen veränderter Wahrnehmung wird ein irreal langsamer Ablauf der Zeit von dem Individuum bemerkt. Das Abfühlen wird gesteigert, Geräusche, Musik, visuelle Reizen werden von dem Drogenanwender phantastisch, verkrümmt durchgelebt. Das Selbstvertrauen, Kreativität nehmen zu, aber das ist objektiv aus der Leistung nicht zu sehen, Lösungsfähigkeit intellektueller Problemen nimmt sogar ab. Künstliche, sexuelle Erlebnisse werden gefördert, Zwanglachen kann vorkommen. Der Appetit nimmt zu. Wirkungen von Kannabis und Alkohol sind additiv, sie werden von vielen kombiniert. Hohe Dosen können psychotische Wirkungen auslösen. Die Wirkungsspitze tritt häufig 20-30 Minuten nach dem Einatmen auf, wenn der Plasmaspiegel schon sinkt, deshalb kann die Substanz wegen früher wiederholter Zufuhr von dem unerfahrenen Anwender überdosiert werden. Psychotoxische Wirkungen sind die Folgenden: Wahnbilder, Depression, Angst, Wahnbildungen, ungeordnetes Denken. Manchmal kann sogar Katalepsie auftreten. Latente oder ruhende Psychose kann aktiviert werden. Peripherische Wirkungen, Tachycardie und Blutgefäßausdehnung, sind meistens in der Bindehaut ausdrücklich. Rötung der Bindehaut ist ein diagnostisches Zeichen der Kannabisverabreichung. Kannabisderivate wirken auch analgetisch, antiemetisch, bronchodilatatorisch und senken den Augeninnendruck.

7.2. Rezeptoren und endogäne Liganden

Kannabinoid-Rezeptoren (CB1, CB2) wurden in 1990 isoliert, dann geklont. Kannabinoide prägen ihre Wirkungen durch Gi-Protein-gekoppelte Rezeptoren aus. Adenylylcyclase wird gehemmt, beziehungsweise spannungsgesteuerte Ca2+-Kanäle werden direkt und indirekt gehemmt. Im Zentralnervensystem enthalten der Hippocampus, das Kleinhirn, die Hirnrinde, und die mesolimbische Dopaminbahn hohe Nummern von Kannabinoid-Rezeptoren. Unter den peripherischen Geweben exprimieren das lymphatische System, vaskuläres Endothel, der Darm, beziehungsweise die Hoden Kannabinoid-Rezeptoren. Endogäner Ligand der Kannabinoid-Rezeptoren, Anandamid, konnte auch isoliert werden. Es ist ein Arachidonsäurederivat (Arachidonylethanolamid). Zahlreiche andere „Endokannabinoide“ sind bekannt.

7.3. Medizinische Indikationen

Kannabinoide, Kannabisderivate, beziehungsweise andere Verbindungen, die durch Kannabinoid-Rezeptoren wirken können wegen ihrer pharmakologischer Wirkungen potenzielle medizinische Relevanz haben, deshalb werden in der letzten Zeit sehr intensive Arzneiforschungen durchgeführt. Wegen der schmerzstillenden Wirkung kommen sie als Analgetika, wegen der bronchodilatatorischen Wirkung, als Antiasthmatika, wegen der augeninnendrucksenkenden Wirkung, als Glaukommittel, wegen der antiemetischen Wirkung, als Antiemetika, wegen der appetitanregenden Wirkung, als die Behandlung von Anorexia nervosa in die Frage.

7.4. Abhängigkeit

Nur milde Abhängigkeit bildet sich aus, die psychische Abhängigkeit ist gemässigt, es gibt praktisch keine physische Abhängigkeit. Entzugserscheinungen treten nur im Fall auf, wenn chronische, laufende Kannabisanwendung plötzlich abgebrochen wird. Indem kommen Aufgeregtheit, Irritabilität, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Hochblutdruck vor.

In einigen Staaten kann Marihuana legal angewendet werden, es ist als kein Suchtmittel angesehen. Die größte Gefahr ist, dass es eine „Gateway”-Droge ist, beziehungsweise kann nach der Anwendung von „Joint“ die Verabreichung von härteren Suchtmittel von Individuellen, die Abhängigkeitsneigung haben, vorkommen.

7.5. Nebenwirkungen

Es ist ein relativ gefahrloses Mittel. Die Überdosis kann psychotoxische Reaktionen auslösen, aber keine schweren kardiovaskulären und respiratorischen Erscheinungen bilden sich aus. Als späte Nebenwirkungen können respiratorische Problemen auftreten, Laryngitis, Rhinitis, obstruktive Lungenerkrankungen, EKG-Störungen. Nach einigen Studien ist Bronchuskarzinom in Marihuanarauchern noch häufiger als in Tabakrauchern. Die Art des Marihuanarauchens, tiefes Herunterziehen und langes Darinhalten, bedeutet von vornherein höhere Teereingabe, die die Ablage fördert. Das Rauchen von 10 oder mehr Zigaretten pro Woche vermindert den Plasma-Testosteron-Spiegel und die Spermiengesamtzahl mit ungefähr 50% in Männern, wärend in Frauen Anovulation ausgelöst wird. Chronische Kannabisanwendung führt zu psychischen Problemen. Persönlichkeitsänderungen, Demotivierungssyndrom, Teilnahmslosigkeit sind häufig. Nach Abgewöhnung sind diese teilweise rückgängig. Bei Neugeborenen kannabisanwendender Mütter sind niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburt, hypoxysche Schädigung, und verminderte geistige Entwicklung in späterem Lebensalter häufig.

Tabelle 5.8. Tabelle 5.: Potenzieller therapeutischer Wert der Kannabinoide

Agonisten
  • Verminderung des Augeninnendrucks (Glaukom)

  • Ausdehnung bronchialer Glattmuskulatur (Asthma)

  • Antinociceptive Wirkung (schwere chronische Schmerzen)

  • Antiemetische Wirkung (Chemotherapie! Nabilon: THC-Analogon)

  • Muskelentspannung (multiple Sklerose)

  • Antikonvulsive Wirkung

  • Tourette-Syndrom („Tic”)

Mittel auf dem Markt: NABILONE, DRONABINOL, SATIVEX (THC+Cannabidiol)

Antagonisten
  • Appetitsstillendes, Gewichtsabnahmemittel, das wegen schwerer Nebenwirkungen (schwere Depression, Selbstmord!!) von dem Markt rückgezogen wurde

  • RIMONABANT (Acomplia) CB1 ANTAGONIST (inverser Agonist)


Testfragen

Mehrere Antwortgelegenheiten.

A: Antworten 1, 2, 3 sind richtig

B: Antworten 1, 3 sind richtig

C: Antworten 2, 4 sind richtig

D: Antwort 4 ist richtig

E: Alle Antworten sind richtig

  1. Der Hauptneurotransmitter der Belohnungsbahn ist: (B)

    1. Dopamin

    2. Acetylcholin

    3. 3,4-Dihydroxyphenylethylamin

    4. Histamin

  2. Mögliche Ursachen der Ausbildung von Toleranz (E)

    1. Zunahme der Rezeptornummer

    2. Abnahme der Rezeptornummer

    3. Änderung des Wirkungsgrads des Rezeptor-Effektor-Systems

    4. Steigerung des Stoffwechsels der Substanz

  3. Die Folgenden gehören zu Entzugserscheinungen der Opioide: (E)

    1. Tränenfluss

    2. Durchfall

    3. Midriasis

    4. Angst

  4. Wirkungen von Amphetamin: (B)

    1. gesteigerte geistige Aktivität

    2. gesteigerter Appetit

    3. gesteigerter Stoffwechsel

    4. Hypothermie

  5. Die Folgenden sind Wirkungen der Psychedelika: (A)

    1. Wahnbilder

    2. Gedächtnisstörungen

    3. Täuschungen

    4. gesteigerte motorische Aktivität

  6. Keine Toleranz bildet sich gegen die folgenden Wirkungen von Morphin im Fall chronischer Anwendung: (B)

    1. stecknadelkopfgroße Pupillen

    2. analgetische Wirkung

    3. Verstopfung

    4. Übelkeit

  7. Die Folgenden haben psychostimulierende Wirkung: (A)

    1. Amphetamin

    2. Kokain

    3. Koffein

    4. Kannabis

  8. Welche Rezeptoren vermitteln Zentralnervensystemwirkungen von Alkohol? (C)

    1. H2 (Histamin)

    2. Acetylcholin N (Nikotin)

    3. Acetylcholin M (Muskarin)

    4. GABA-A (Gammaaminobuttersäure)

  9. Für welche medizinische Indikation wurden CB-Rezeptor-Agonisten vermarktet? (D)

    1. Antiemetikum

    2. Analgetikum

    3. Bronchodilatator

    4. appetitstillendes Mittel

  10. Für welche medizinische Indikation wurden CB-Rezeptor-Agonisten vermarktet? (D)

    1. Antihypertensivum

    2. Antidepressivum

    3. Bronchodilatator

    4. Antiemetikum

  11. Welche Mittel werden für die Behandlung Alkoholmissbrauchs angewendet? (E)

    1. Acamprosat

    2. Naltrexon

    3. Clonidin

    4. Disulfiram

  12. Welche Mittel werden für die Behandlung Opioidmissbrauchs angewendet? (B)

    1. Naltrexon

    2. Paracetamol

    3. Buprenorphin

    4. Dextrometorphan

  13. Welche der folgenden Mittel haben halluzinogene Wirkungen? (D)

    1. Alprazolam

    2. Atropin

    3. Midazolam

    4. LSD

  14. Welche Mittel verursachen keine physische Abhängigkeit? (B)

    1. Nikotin

    2. Psilocybin

    3. Ethanol

    4. Mescalin

  15. Welche medizinischen Indikationen hat Kokain? (D)

    1. Antiemetikum

    2. Analgetikum

    3. Antidepressivum

    4. Lokalanästhetikum